Die Rocky-Treppe ist wohl die berühmteste Filmtreppe überhaupt und auch über 30 Jahre nach dem ersten Teil sind viele weitere Drehorte der Rocky-Filme erhalten. Thomas Gerstmann hat sich nach intensiver Vorbereitung auf die Spuren von „Rocky” in Philadelphia gemacht und erzählt hier von seinen Eindrücken:

Mein Gott bin ich aufgeregt! Knapp drei Monate habe ich mich auf diese filmische Reise vorbereitet. Drei Monate recherchiert und bis ins letzte Detail geplant. Und jetzt das: ich stehe auf dem Weg von Washington nach Philadelphia mitten im Stau. Der Baltimore Marathon hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht! Knapp drei Stunden habe ich nun Zeit, meine Tour noch einmal umzuplanen. Ziel ist es nun, noch vor Dunkelheit in Philly anzukommen und sofort zur legendären Rocky Treppe zu fahren. Eigentlich stand diese erst als krönender Abschluss der Reise auf dem Programm, aber da sie im Vergleich zu den anderen Drehorten etwas abseits liegt, geht es mit dem Highlight los.

Rocky Treppe, Museum of Art © Thomas Gerstmann
Rocky Fußstapfen, Philadelphia © Thomas Gerstmann

Ich parke hinter dem „Museum of Art”, einem riesigen Gebäude, um das ich erst einmal ganz herum laufen muss. Ein anstrengender Weg zum Ziel! Ich laufe immer schneller und komme schließlich genau aus der Richtung, die Rocky einst mit dem Motorrad entlangfuhr. Schnell geht es die weltbekannten 72 Stufen hinauf. Das erste was ich sehe ist der bekannte Ausblick in Richtung Zentrum. Ich bleibe stehen und sauge alles in mir auf. Zwei Minuten stehe ich einfach nur da. In dieser Zeit zähle ich fünf Menschen, die neben mir die Arme hochreißen und „Rooockyyyy” schreien. Ständig kommen neue Leute nach. Rocky ist überall! Unglaublich! Über 30 Jahre nach „Rocky” rennen hier die Menschen die Treppe hinauf und recken die Arme in die Höhe. Jetzt habe ich mich langsam gesammelt und tue es ihnen gleich. Verrückt, nach so vielen Jahren stehe nun ich an dieser Stelle und fühle mich kurz wie der amtierende Box Champion im Schwergewicht.

Rocky Treppe, Museum of Art, Philadelphia © Thomas Gerstmann

Es ist an der Zeit, anderen Platz zu machen. Also gehe ich die Treppe wieder runter…ist  Rocky eigentlich jemals im Film die Treppe runter gelaufen? Gleich unten am Fuße der Treppe sehe ich die Rocky Statue. Wer nun denkt, er könnte dort mal schnell ein Bild machen, liegt falsch. Eine knapp 30 Meter lange Schlange an Menschen wartet dort und man muss sich ca. 10 Minuten gedulden bis man dran kommt.

Rocky Statue, Museum of Art, Philadelphia © Thomas Gerstmann

Am nächsten Tag stehen unzählige Drehorte auf dem Programm, genauer gesagt 28 in 6 Stunden! Erste Station ist der „Laurel Hill Cemetery” in Nord Philly, auf dem noch immer Adrian Balboas fiktives Grab zu finden ist. Makaber denke ich mir noch, aber man wird sogar aufgerufen, auf den Friedhof zu kommen, um z.B. ein Picknick zu machen und sogar Filme werden dort gezeigt. Dass man den Besuch mit dem Auto oder dem Motorrad macht, wird vorausgesetzt. Der Friedhof gehört zu den ältesten in den USA und wird zudem ständig als Filmkulisse genutzt. Dank den „Transformers”, die hier recht viel herumfackelten, mussten auch einige Wege erneuert werden. Adrians Grab ist leicht zu finden: man fährt durch den Haupteingang und biegt gleich links ab, es ist das erste Grab auf der linken Seite.

Laurel Hill Cemetery, Philadelphia © Thomas Gerstmann
Adrians Filmgrab, Laurel Hill Cemetery, Philadelphia © Thomas Gerstmann

Weiter geht es nach Kensington, dem ärmsten Viertel von Philly. Man drehte bewusst hier, um den Flair dieser ziemlich gefährlichen Gegend mitzunehmen. Hier findet man gleich zehn Rocky Drehorte. Ich starte am Haus von Adrian und Paulie, das man ehrlich gesagt nicht wieder erkennt und statte anschließend der Lucky Seven Tavern, der Kneipe aus „Rocky” einen Besuch ab. In der Nähe befindet sich auch ein recht frischer Drehort: das Haus in dem „Little Marie” als erwachsene Frau mit ihrem Sohn in „Rocky Balboa“ lebte. Das abgebrannte Haus, rechts daneben, wurde abgerissen. Aber, die Lampe, die Rocky reparierte, hängt noch immer. Da sich hier aber mittlerweile Souvenirjäger dran machten, wurde die Lampe durch eine ähnliche, Neue ersetzt.

Das spätere Haus von „Little Marie” © Thomas Gerstmann

Ich kann nun auch schon den nächsten Schauplatz sehen: Rockys erste Wohnung, in der alles begann. Nur ein Block weiter kommt man über die Ruth Street in die Tusculum Street. Ohne zu suchen, erkenne ich es sofort wieder! Hier ist die Zeit absolut stehen geblieben. Selbst die aufgemalte Hausnummer 1818 sieht noch genau so aus. Gänsehaut!

Rockys erste Wohnung © Thomas Gerstmann

In der gleichen Straße befindet sich die Gasse, in der die Straßensänger in „Rocky” dem frisch verheirateten Paar „Two kinds of love” sangen. Der Sänger mit den Locken ist übrigens Frank Stallone, Sly’s Bruder. Schräg gegenüber liegt die Ecke, an der eben diese Band das Lied „Take you back” zum Besten gab.

Tusculum Street, Philadelphia © Thomas Gerstmann

Meine nächste Hauptattraktion ist natürlich Mickey’s GYM! Ein grandioser Ort und direkt daneben befinden sich „Adrians Tierhandlung” und „Andy’s Bar“.

Boxstudio „Mickey’s Gym”, Philadelphia © Thomas Gerstmann
„Andy’s Bar”, Philadelphia © Thomas Gerstmann

In der Innenstadt von Philadelphia besuche ich die Independence Hall. Es ist ein ruhmreicher Ort, an dem 1776 Amerikas Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet wurde. Rocky nutzte den Ort für sein Lauftraining. Weiter geht es zum Italienischen Markt, dem ältesten Außenmarkt der USA, der schon häufig als Drehort diente. Hier absolvierte Rocky seinen Trainigslauf und kaufte in „Rocky Balboa” für sein Restaurant „Adrian’s” ein. In „Pat’s King of Steaks” am Ende des Marktes ging Rocky mit Geldhai Gazzo in essen. Gleich an der Ausgabe ist im Boden eine Erinnerungstafel an Rocky eingelassen. Hier essen ist natürlich Pflicht und ich gönne mir ein leckeres Philly Cheesesteak!

Italienischer Markt, Philadelphia © Thomas Gerstmann
„Pat’s King of Steaks”, Philadelphia © Thomas Gerstmann

Frisch gestärkt geht es weiter zu den letzten Drehorten, darunter auch die St. Thomas Aquinas Catholic Church, in der Rocky seine Adrian heiratete. Geht man rechts um die Kirche rum, dann sieht man das Fenster, aus dem Vater Carmine Rocky vor seinen Kämpfen den Segen gab.

St. Thomas Aquinas Catholic Church © Thomas Gerstmann
St. Thomas Aquinas Catholic Church, Philadelphia © Thomas Gerstmann

Etwas verdutzt bin ich, als ich gegenüber des Wohnhauses von „Little Marie” mit meiner Kamera aus dem Auto steige und gleich von einer Dame mit einem unfreundlichen „Rocky People??” angebrüllt werde. Sie scheint Herrn Balboa aus tiefster Überzeugung zu hassen. Ich tue so, als ob ich überhaupt keine Ahnung hatte, was sie von mir will.

Zum Abschluss meiner Rocky Tour begutachte ich in der Innenstadt das Geschäft, in dem sich Rocky die Tiger Jacke kaufte, das Irish Pub aus dem letzten Teil - hier sieht wirklich alles noch genauso aus, selbst die Deko in den Regalen ist noch da - sowie der Rittenhouse Square Park.

Irish Pub, Philadelphia © Thomas Gerstmann

Es war immer ein Traum von mir, irgendwann diese Tour zu machen. Meine knapp 200-stündige Vorbereitung hat sich mehr als ausgezahlt. Ich kenne alle Drehorte und deren Geschichte bis ins Detail und stehe gerne anderen Rocky Fans mit Rat und Tat zur Seite. Auf meiner Facebook Seite Rocky Drehorte findet man alle Drehorte mit Adressen und Hintergrundinformationen und unter Vimeo das Video zur Tour. Die genaue Tourplanung kann man auf dieser Karte verfolgen.

Wichtige Hinweise:

Bei dieser Tour kommt man wirklich in die schlimmsten Ghettos von Philadelphia. Hier ist äußerste Vorsicht angebracht! Nur kleine Kompaktkameras mitnehmen, die in der Hosentasche verschwinden können und Rucksäcke u.ä. erst gar nicht mitnehmen. Außerdem: Fast alle Locations dienen heute als normale Wohnungen. Hier bitte mit Respekt und möglichst unauffällig auftreten. (-> Knigge für Filmtouristen)

Linktipps:
Laurel Hill Cemetery
Pat’s King of Steaks

Es gibt derzeit Pläne die Rocky Treppe drastisch umzubauen. Filmfans haben daher eine Petition zu Gunsten der Treppe gestartet: Petition „Save the Rocky steps”

Verwandter Artikel: Auf den Spuren von „Rambo” in Hope

Über den Autor

Ich liebe Filme und Reisen und leidenschaftlich gerne verbinde ich das eine mit dem anderen. Seit über 10 Jahren reise ich auf den Spuren sehenswerter Filmschauplätze auf der ganzen Welt und teile hier Infos über die Drehorte alter und neuer Streifen. Mehr

Ähnliche Beiträge

8 Responses

  1. Anonym

    bin gerade in philly.die zeit reicht gerade mal für die treppe.
    hast super recherchiert.hab’s sehr gerne gelesen.vielen dank

    Antworten
  2. Patrick

    Ich muss Anonym zustimmen! Hab deine Texte gelesen, genauso die Bilder angeschaut. Echt Klasse.

    Antworten
  3. Frank

    Moin,

    war heute mit einem Freund in Philadelphia und habe mir nach der Independenz Hall und der Liberty Bell noch die Rocky Treppe und Statue angeschaut (natürlich alles mit Erinnerungsfoto!).
    Toller Beitrag von Dir, hat Spaß gemacht ihn jetzt im Hotel (Washington D.C.) zu lesen.

    Gruß
    Frank (52)

    Antworten
  4. Florian

    Toll gemacht :-D Eine Erinnerung für’s Leben, dass härter zuschlagen kann, als jeder andere. 

    Liebe Grüße aus Neumünster.
    Bye Flo

    Antworten
  5. Thomas Gerstmann

    Hallo lieber Leser!

    Vielen Dank für die netten Worte! Da macht das schreiben doch gleich viel mehr Spaß!!

    Liebe Grüße

    Thomas

    Antworten
  6. Jan

    Sind morgen in Phyl. Leider wird die Zeit nicht für alle Schauplätze reichen. Ich finde es aber echt toll, dass Du Dein Wissen nach der vielen Recherchearbeit auch anderen zur Verfügung stellst. Super und ein ganz großes Lob!

    Antworten
  7. Tobias

    Echt toller Artikel, ein Grund Philadelphia nochmal zu besuchen! Waren im September auf Durchreise und haben „nur” die Treppe und den Reading Terminal Market geschafft. Beim nächsten Mal bleiben wir länger. Vielen Dank für den Artikel.

    Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.