Jede Reise beginnt mit einem ersten Schritt. Und natürlich einem ersten Ziel. Als Startpunkt für meine filmische Abenteuerreise durch die Rocky Mountains habe ich mich schnell für Denver, der Hauptstadt Colorados, entschieden. Zum einen, da die Stadt von Deutschland aus gut erreichbar ist und quasi in Sichtweite zu den Rockies liegt. Zum anderen, da es hier für Film- und Westernfans unheimlich viel zu entdecken gibt. Um die Stadt und die nähere Umgebung zu erkunden, sollte man sich mindestens drei Tage Zeit nehmen. Hier kommen meine persönlichen Denver-Highlights:

 

Als großer Fan von „Der Denver-Clan” - mit „Dallas” eine der ersten amerikanischen Serien, die ich als Kind ansehen durfte - hab ich im Vorfeld der Reise als allererstes deren Drehorte recherchiert. Leider stellte sich dabei heraus, dass der Kampf der fiktiven Ölfirmen Denver Carrington und Colbyco sowie der Rachefeldzug von Alexis (Joan Collins) gegen ihren Ex-Mann Blake (John Forsythe) fast ausschließlich in Kalifornien gedreht wurde. Im Intro der Serie finden sich aber einige Denver-Motive, die sich bis heute nur wenig verändert haben. Darunter der frühere First Interstate Tower South, einem der ersten Wolkenkratzer Denvers, der jetzt unter anderem als Sitz der Bank of the West dient, 621 17th Street, sowie natürlich das State Capitol, 200 East Colfax Ave. Auf den Stufen vor dem Capitol, kann man sich übrigens exakt auf 1.609 Meter Höhe, also eine Meile über dem Meeresspiegel, stellen. Deshalb nennt man Denver auch „The Mile High City”.

Bank of the West, Denver © Andrea David

Bank of the West, Denver © Andrea David

State Capitol, Denver © Andrea David

State Capitol, Denver © Andrea David

Das Denver-Clan-Intro ist wohl auch schuld daran, dass ich mir die Stadt bisher hauptsächlich als Hochhaus-Metropole vorgestellt habe. In Wahrheit dominiert in der früheren Goldgräberstadt die Architektur des Wilden Westens und an manchen Ecken fällt es mir leicht sich in die Vergangenheit zurückzudenken, in denen noch Pferde und Planwagen das Stadtbild prägten. Wer sich intensiver mit der Geschichte auseinandersetzen möchte, dem empfehle ich einen Besuch im History Colorado Center. Eigentlich gehöre ich ja nicht zu den schnellen Souvenir-Jägern, aber bereits am zweiten Tag in Denver bin ich sozusagen der Romantik des amerikanischen Westens erlegen und der Kauf eines Cowboy-Hutes ist absolut unvermeidlich.

Street Art, Denver © Andrea David

Street Art, Denver © Andrea David

Apropos Cowboy-Style, wer sich schon mal gefragt hat, wer eigentlich den Schauspielern in Western-Filmen das entsprechende Outfit verpasst, findet die Antwort in Downtown Denver bei Rockmount Ranch Wear. In der Hall of Fame zeugen etliche Fotos von der cineastischen Beliebtheit der Cowboykleidung. Ob nun Hugh Grant in „Haben Sie das von den Morgans gehört” oder Heath Ledger und Jake Gyllenhall in „Brokeback Mountain”, alle wurden sie von Rockmount ausgestattet. Erkennbar übrigens an den rautenförmigen Hemdknöpfen. Die beiden Modelle der Brokeback-Mountain-Hemden sind im Laden sogar gesondert ausgestellt, haben diese in der Schlussszene des Filmes doch eine starke Symbolkraft. Ich sag nur „Jack, ich schwör’s dir”… Wer möchte kann sich hier natürlich selbst mit Stiefeln, Hüten und Hemden eindecken. Alles „Made in America” versteht sich.

Rockmount Ranch Wear, Denver © Andrea David

Rockmount Ranch Wear, Denver © Andrea David

Rockmount Ranch Wear, Denver © Andrea David

Rockmount Ranch Wear, Denver © Andrea David

Gleich um die Ecke von Rockmount befindet sich mit dem Oxford Hotel eines der ältesten Hotels der Stadt. Auch wenn man hier nicht nächtigt, sollte man den legendären Cruise Room besuchen. In der Cocktailbar genehmigte sich auch Quentin Tarantino ein paar Drinks als er zum Dreh seines Werkes „The Hateful 8″, das rund um Telluride in den Rockies entstand, in Colorado war.

Cruise Room, Oxford Hotel, Denver © Andrea David

Cruise Room, Oxford Hotel, Denver © Andrea David

Zu meinen absoluten Lieblingsgebäuden in Denver gehört die 100 Jahre alte Union Station. Ich wage sogar zu behaupten, dass dies einer der schönsten Bahnhöfe der Welt ist. Sowohl von außen, als auch von innen. Hier auf den Zug warten zu müssen, erscheint mir eindeutig als Segen. Etliche Leute treffen sich hier auf ein Feierabend-Bierchen in der Terminal Bar oder zum Essen in einem der vielen Lokale, draußen hüpfen die Kinder wild durch die Wasserspiele.

Union Station, Denver © Andrea David

Union Station, Denver © Andrea David

Union Station, Denver © Andrea David

Union Station, Denver © Andrea David

Drehort war die Union Station übrigens auch: Im Film „Das Leben nach dem Tod in Denver” (Things to do in Denver when you die) erreicht hier Profikiller Mr. Schhhhh (Steve Buscemi) die Stadt. Auch wenn der Gangsterkrimi aus dem Jahre 1996 mit Andy Garcia und Christopher Walken in den Hauptrollen etwas schräg ist und an einen echten Tarantino-Film natürlich nicht rankommt, lohnt es sich den Film anzusehen, bevor man nach Denver kommt. Gerade auch um festzustellen, wie sich die Gebäude in 20 Jahren so verändert haben und dass Denver in Wahrheit doch ganz anders ist.

Bluebird Theatre, Denver © Andrea David

Bluebird Theatre, Denver © Andrea David

Weitere Schauplätze des Films sind unter anderem das Bluebird Theater in der Colfax Ave und das am City Park gelegene Denver Museum of Nature & Science, in dem Jimmy (Andy Garcia) sich mit Dagney (Gabrielle Anwar) verabredet. In letzterem kann man schon mal locker einen ganzen Tag verbringen. Zwei Dinge sollte man auf jeden Fall neben den zahlreichen Themenwelten auf dem Plan haben: Eine Vorstellung im IMAX Kino, in dem der absolut sehenswerte Film „National Parks Adventure” - mit der Stimme von Robert Redford! - einen tollen Vorgeschmack auf die Bergwelt der USA gibt, und den Blick von der Anschutz Family Sky Terrace auf Downtown Denver und die Rocky Mountains.

Denver Museum of Nature & Science, Denver © Andrea David

Denver Museum of Nature & Science, Denver © Andrea David

Blick von der Anschutz Family Sky Terrace, Denver Museum of Nature & Science, Denver © Andrea David

Blick von der Anschutz Family Sky Terrace, Denver Museum of Nature & Science, Denver © Andrea David

Baseball kennt man in Deutschland ja meist nur aus Filmen. So nutze ich in Denver die Chance, endlich auch einmal live bei einem Baseball-Spiel dabei zu sein, was mir mit vier Stunden Dauer durchaus etwas Sitzfleisch abverlangt. Das Coors Field, in dem die Colorado Rockies ihre Heimspiele austragen, ist auch im Thriller „The Fan” zu sehen, in dem Robert De Niro als besessener Baseballfan brilliert. Und es ist das Stadion, in dem die „South Park”-Jungs unbedingt verlieren möchten, um ihre Ferien genießen zu können (Staffel 9, Folge 5). Eine Besonderheit des Coors Field ist, dass es besonders Homerun-freundlich ist. Wie das? Aufgrund der Höhe der Stadt existiert ein geringer Luftwiderstand, wodurch die geschlagenen Bälle deutlich weiter fliegen als in anderen Stadien.

Coors Field, Denver © Andrea David

Coors Field, Denver © Andrea David

Einen kleinen Ausflug lohnt der nahegelegene Lookout Mountain, auf dem Buffalo Bill, wohl eine der schillerndsten Figuren des Wilden Westens, begraben liegt. Vom Berg aus hat man eine tolle Sicht auf Denver und die Hochebene. Wer auf dem Hin- oder Rückweg die Interstate 70 nimmt, wird vielleicht auf ein futuristisches Gebäude am Hang der Genesee Mountains aufmerksam. Es handelt sich um das Deaton Sculptured House, das in Woody Allens „Der Schläfer” als Drehort verwendet wurde und daher auch als Sleeper House bekannt ist.

Blick auf die Berge an der Interstate 70, Denver © Andrea David

Blick auf die Berge an der Interstate 70, Denver © Andrea David

"Sleeper House", Denver © Andrea David

„Sleeper House”, Denver © Andrea David

Nur eine halbe Stunde Fahrt trennt Denver vom Red Rocks Amphitheatre, welches ich schon immer einmal live sehen wollte. Es ist vor allem als Konzertlocation - schon die Beatles sind hier aufgetreten - und Drehort für Musikvideos bekannt. Für Filmfans empfiehlt sich das Open-Air-Kino „Film on the Rocks”, bei dem man auf einem der 9.000 Sitzplätze sowohl alte als auch neue Streifen zwischen den rund 100 Meter hohen Sandsteinfelsen anschauen kann. Eine einzigartige Atmosphäre!

Red Rocks Park, Denver © Andrea David

Red Rocks Park, Denver © Andrea David

Red Rocks Amphitheatre, Denver © Red Rocks

Red Rocks Amphitheatre, Denver © Red Rocks

Bevor ich bald mehr von meinem Roadtrip durch die Rockies und spannenden Filmschauplätzen in Colorado, Wyoming, Montana und South Dakota berichte, hier noch ein paar nützliche Denver-Tipps für die Reiseplanung:

Anreise:
Mit der Lufthansa fliegt man in 10 Stunden nonstop von Frankfurt nach Denver. Fun Fact für Filmfans: Der Washington Dulles International Airport im Film „Stirb langsam 2” ist in Wahrheit der Stapleton Airport in Denver. Wer allerdings versucht, etwas wiederzuerkennen, wird sich schwer tun, denn Drehort war der alte Stapleton Airport, der mittlerweile einem Wohngebiet gewichen ist.

Mobil:
In der Innenstadt bewegt man sich am simpelsten mit dem kostenlosen Bus-Shuttle, der auf der 16th Street zwischen State Capitol und Union Station verkehrt. Von März bis November kann man sich, ganz einfach mit Kreditkarte, eines der glänzend roten Denver B-Cycles ausleihen. Vom Flughafen aus ist die Stadt sehr gut mit dem „Train to the Plane” erreichbar. Für den Roadtrip und um die Umgebung von Denver zu erkunden, habe ich mir über CRD International einen Jeep gemietet.

Restauranttipp:
Oscar-verdächtiges Essen bekommt man in Denver im Restaurant Linger, 2030 West 30th Ave. Besonders lecker finde ich dort die Wagyu Burger und Dragon Buns. Man sollte jedoch unbedingt noch etwas Platz im Magen lassen und sich danach ein Eis bei Little Man Icecream gönnen, ganz egal wie lang die Schlange davor auch ist. In der überdimensionalen Milchkanne wird selbstgemachte Eiscrème in ungewöhnlichen Sorten verkauft. Im Sommer gibt’s dazu abends ein Musikprogramm, wie beispielsweise die „Scoop of Jazz Thursdays” oder die „Swingin’ under the Stars Saturdays”.

Restaurant Linger & Little Man Icecream, Denver © Andrea David

Restaurant Linger & Little Man Icecream, Denver © Andrea David

Hoteltipps:
Crowne Plaza Denver
Grand Hyatt Denver Downtown

Buchtipp:
Kaum ein zweiter kennt Denver so gut wie Rich Grant und ich hatte unheimliches Glück, ihn treffen und ausfragen zu dürfen. Er ist quasi ein Denver-Urgestein und hat 35 Jahre die Pressearbeit für die Stadt gemacht. Mittlerweile ist er im Ruhestand, seine besten Tipps hat er nun jedoch im Büchlein „100 Things to do in Denver before you die” verewigt.

Seinen Blog findet man unter Walkinganddrinkingbeer.com.

Auf Stadttour mit Rich Grant, Denver © Andrea David

Auf Stadttour mit Rich Grant, Denver © Andrea David

Offenlegung:
Meine Recherche in und um Denver wurde teilweise von Colorado Tourism & Visit Denver unterstützt.
Vielen Dank!

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