Beinahe andächtig lausche ich dem Plätschern des Bachs im Tollymore Forest. Ich freue mich riesig an diesem bezaubernden Ort zu sein, gleichzeitig überkommt mich eine Melancholie mit der ich so nicht gerechnet habe. Doch es ist wohl so: Wenn man eine Geschichte bereits über einen sehr langen Zeitraum verfolgt, blickt man an den Schauplätzen schon mal wehmütig auf deren Anfänge. Besonders, wenn man sich über die Staffeln hinweg von einigen Hauptcharakteren verabschieden musste - ein Umstand, der ja gerade bei „Game of Thrones” eine besondere Spezialität ist, denn für Dutzende Serienfiguren kam der Winter erst gar nicht. Auf meiner Reise durch Nordirland und der Suche nach Drehorten, die in die Rolle des fiktiven Westeros schlüpften, warteten jedenfalls gleich mehrere solcher Momente auf mich.

Parnell Bridge Tollymore Forest, Nordirland © Andrea David

Parnell Bridge Tollymore Forest, Nordirland © Andrea David

Der Tollymore Forest ist der perfekte Ort diese Reise zu beginnen, denn hier wurden Szenen der allerersten Folge von „Game of Thrones” gedreht. Hier trafen die Wächter der Nachtwache im „Verfluchten Wald” auf die Weißen Wanderer, die man schon seit Jahrhunderten für ausgestorben hielt. Für die unheimliche Szene wurde ein großes Waldstück tagelang künstlich eingeschneit.

Der "Verfluchte Wald", Tollymore Forest, Nordirland © Andrea David

Der „Verfluchte Wald”, Tollymore Forest, Nordirland © Andrea David

Winterfell Tours, Tollymore Forest, Nordirland © Andrea David

Winterfell Tours, Tollymore Forest, Nordirland © Andrea David

Und an besagtem Bach, dem Shimna River, fanden Ned Stark und seine Söhne die tote Schattenwölfin und ihre überlebenden Welpen, die zu treuen Begleitern für die Stark-Kinder Robb, Sansa, Arya, Bran, Rickon und auch Jon wurden. An die genaue Stelle kommt man nicht mehr heran, da die kleine Holzbrücke mittlerweile fehlt. Den Ort erkennt man jedoch anhand der großen Steinbrücke, der Parnell Bridge, leicht wieder.

Jon Snow und sein Schattenwolf, Tollymore Forest, Nordirland © Andrea David / HBO

Jon Snow und sein Schattenwolf, Tollymore Forest, Nordirland © Andrea David / HBO

Die Starks auf der Parnell Bridge, Tollymore Forest, Nordirland © Andrea David / HBO

Die Starks auf der Parnell Bridge, Tollymore Forest, Nordirland © Andrea David / HBO

Etwa eine Stunde nordöstlich des Tollymore Forest, dessen rotes Eichenholz übrigens auch für die Innenausstattung der in Belfast erbauten Titanic verwendet wurde, befindet sich die Inch Abbey. Die Burgruine aus dem 12. Jahrhundert diente in der ersten Staffel als Kulisse für das Camp von Robb Stark. Catelyn überbringt ihm hier die traurige Botschaft vom Tod seines Vaters.

Inch Abbey, Nordirland © Andrea David

Inch Abbey, Nordirland © Andrea David

Mit "Bluthund" Helm am Castle Ward, Nordirland © Andrea David

Mit „Bluthund” Helm am Castle Ward, Nordirland © Andrea David

Noch eine Viertelstunde weiter erreiche ich das Castle Ward, das für „Game of Thrones” mit Hilfe einiger CGI-Erweiterungen in die Rolle von Burg Winterfell schlüpfte und sich als wahres Paradies für Fans der Serie entpuppt. Genau an der Stelle, an der sich Bran Stark unter Beobachtung seiner Brüder im Bogenschießen übt, kann man hier in entsprechendem Winterfell-Outfit selbst zum Bogenschützen werden. Wer möchte, kann sich hier außerdem den Helm vom Bluthund aufsetzen. Klar möchte ich! Mit dem schweren Ding auf dem Kopf ist es allerdings unmöglich die Zielscheibe zu treffen. Danach wartet ein mittelalterliches Festmahl auf alle erfolgreichen und auch weniger erfolgreichen Schützen. Auf meinem Bogenschieß-Konto kann ich sowohl einen Pfeil in der nachbarlichen Scheibe als auch einen Volltreffer genau in die Mitte meiner Scheibe verbuchen.

Bogenschießen am Castle Ward, Nordirland © Andrea David

Bogenschießen am Castle Ward, Nordirland © Andrea David

Mittagspause am Castle Ward, Nordirland © Andrea David

Mittagspause am Castle Ward, Nordirland © Andrea David

Schwertkampf am Castle Ward, Nordirland © Andrea David

Schwertkampf am Castle Ward, Nordirland © Andrea David

Vom Castle Ward aus geht es auf Fahrrädern auf Erkundungstour zu einigen weiteren Drehorten aus „Game of Thrones”. Besonders angetan hat es mir das Audley’s Castle, eine kleine Burg aus dem 15. Jahrhundert, die hoch über dem Strangford Lough thront. Robb, der nach dem Tod von Ned Stark zum König des Nordens erklärt wird, trifft hier zum ersten Mal auf Talisa aus Volantis. Eine Liebe, die, wie wir wissen, leider alles andere als ein gutes Ende nimmt.

Robb Stark am Audley's Castle, Nordirland © Andrea David / HBO

Robb Stark am Audley’s Castle, Nordirland © Andrea David / HBO

Audley's Castle, Nordirland © Andrea David

Audley’s Castle, Nordirland © Andrea David

Die Eindrücke meines ersten Erkundungstages schließe ich dann auch mit einem „Game of Thrones”-Dinner, genauer dem „King’s Banquet of Winterfell”, ab. Angeboten wird dieses im Restaurant „The Cuan” in Strangford. Gegessen wird auf Schiefertafeln, es gibt viel Wein, Hähnchen aber auch Dorschkuchen und Winterkürbis. Zum Nachtisch gibt es Blaubeeren und Shortbread, geziert vom Wappen der Starks, dem Kopf des Schattenwolfs. Die Inspiration zu den Speisen kommt direkt aus den Zeilen von George R. R. Martin in „Das Lied von Eis und Feuer”, der Buchvorlage für die Serie.

Beim "King's Banquet of Winterfell" im The Cuan, Strangford, Nordirland © Andrea David

Beim „King’s Banquet of Winterfell” im The Cuan, Strangford, Nordirland © Andrea David

Am nächsten Tag geht es von Belfast aus in den Norden, wo die „Game of Thrones” Schauplätze eine weitere perfekte Reiseroute zu einigen Nordirland-Highlights bilden. Der erste kurze Stopp an der Küste am kleinen Hafen von Carnlough ist ein Sprung von Westeros nach Essos. Hier entstand eine kurze Szene, in der sich Arya bei einem Angriff der Heimatlosen in Braavos mit einem Satz ins Wasser rettet. An den Treppen des Hafens schleppt sie sich verletzt wieder an Land.

Der Hafen von Carnlough, Nordirland © Andrea David

Der Hafen von Carnlough, Nordirland © Andrea David

Arya Stark in "Braavos", Carnlough, Nordirland © Andrea David / HBO

Arya Stark in „Braavos”, Carnlough, Nordirland © Andrea David / HBO

Bereits eine halbe Stunde weiter entlang der Küste kann man sich in dann wieder zurück in Westeros wähnen: Die Cushendun Caves an der Antrim Coast standen Kulisse für die Einstellung, in der Melisandre unter den Augen von Ser Davos den unheimlichen Schatten auf die Welt bringt. Eine gruselige Szene an einem friedlichen Ort, von dem aus man in der Ferne sogar die schottische Küste erblicken kann.

Cushendun Caves, Nordirland © Andrea David

Cushendun Caves, Nordirland © Andrea David

Das nächste Ziel, die Dark Hedges von Ballymoney, führt mich von der Küste ins Landesinnere. Die jahrhundertealte Buchenallee wurde für „Game of Thrones” zu einem Teil des Königswegs, über den Arya Stark als Junge getarnt Richtung Norden flieht. Die Bäume gehören zu den meistfotografiertesten Motiven in Nordirland. Momentan ist die durch die Allee führende Bregagh Road noch für den Autoverkehr freigegeben, was sich jedoch bald ändern soll. Bei der Menge an Leuten, die die Straße entlang spazieren, ist das auf jeden Fall ratsam. Vor allem, da sich hier leider auch nicht jeder Autofahrer an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 mph hält. So kann es schon mal passieren, dass man gerade noch ein Foto gemacht hat und dann schnell zur Seite springen muss.

Dark Hedges, Nordirland © Andrea David

Dark Hedges, Nordirland © Andrea David

Der "Königsweg", Dark Hedges, Nordirland © Andrea David / HBO

Der „Königsweg”, Dark Hedges, Nordirland © Andrea David / HBO

Einige Bäume der Allee wurden beim Sturm Getrude im Frühjahr 2016 umgeknickt. Aus ihnen hat man zehn Holztüren gestaltet, die „Doors of Thrones”, auf denen verschiedene Schnitzereien zur Geschichte von „Game of Thrones” zu sehen sind. Die Türen kann man noch bis Juni 2017 in zehn verschiedenen Pubs, in der Nähe von zehn Drehorten, finden. Am Ende der Dark Hedges befindet sich eine von ihnen im Gracehill House, Stranocum. Wer dort eine Kaffeepause einlegt, sollte unbedingt die selbstgemachten Scones mit Clotted Cream und das Shortbread dort probieren!

Gracehill House, Dark Hedges, Nordirland © Andrea David

Gracehill House, Dark Hedges, Nordirland © Andrea David

"Doors of Thrones", Gracehill House, Dark Hedges, Nordirland © Andrea David

„Doors of Thrones”, Gracehill House, Dark Hedges, Nordirland © Andrea David

Weiter geht die Fahrt zurück an die Antrim Küste nach Larrybane. Direkt am Kreidebruch befindet sich ein riesiger Parkplatz, der als Schauplatz für ein Turnier in der Serie diente. Renly Baratheon und Margaery Tyrell bewundern hier die Kampfkünste von Brienne von Tarth, worauf sie Mitglied der Königsgarde wird. Auch das riesige Lager von Renly wurde hier für die Serie aufgebaut. Catelyn Stark schließt hier ein Abkommen im Namen ihres Sohnes Robb ab. Nur einen kleinen Fußmarsch entfernt gelangt man zu der Stelle, an der die Eisenmänner Yara Graufreud als neue Königin der Eisensinseln feiern, bevor ihr Onkel Euron Graufreud Anspruch auf den Salzthron erhebt. Von dort oben hat man einen herrlichen Blick über die Küste. Es lohnt sich außerdem der Hängebrücke Carrick-a-Rede einen kleinen Besuch abzustatten.

Larrybane, Nordirland © Andrea David

Larrybane, Nordirland © Andrea David

Catelyn Stark und Brienne von Tarth in Larrybane, Nordirland © Andrea David / HBO

Catelyn Stark und Brienne von Tarth in Larrybane, Nordirland © Andrea David / HBO

Mit Ballintoy steht ein weiterer Drehort der Eiseninseln auf dem Plan. Der Hafen von Ballintoy schlüpfte in die Rolle von Peik, von wo Theon Graufreud  - noch lange bevor er zu Stinker wurde - mit seinem Schiff „Sea Bitch” Richtung Steinige Küste segelte. Weitere Szenen, wie die Taufe Theons oder die Beisetzung Balon Graufreuds entstanden in der nahegelegenen Bucht. Am Strand auf der gegenüberliegenden Seite erreicht Melisandre mit Gendry, dem Bastard von Robert Baratheon, die Insel Drachenstein und bringt ihn zu Stannis, der sich - wie viele andere in der Serie - als rechtmäßigen König von Westeros sieht. Aufgrund der Fülle der Filmmotive empfehle ich mindestens eine Stunde Aufenthalt in und um Ballintoy Harbour.

Ballintoy Harbour, Nordirland © Andrea David

Ballintoy Harbour, Nordirland © Andrea David

Die Beisetzung Balon Graufreuds, Ballintoy Bay, Nordirland © HBO

Die Beisetzung Balon Graufreuds, Ballintoy Bay, Nordirland © HBO

Ballintoy Beach, Nordirland © Andrea David

Ballintoy Beach, Nordirland © Andrea David

Bevor die Sonne untergeht besuche ich noch den Portstewart Strand, etwa eine halbe Stunde von Ballintoy entfernt. Während die meisten Leute hier einfach einen schönen breiten Strand mit Sanddünen sehen, ist dies für Thronies zugleich der Ort, an der Jaime und Bronn die Küste von Dorne erreichen und es schließlich mit deren Patrouille zu tun bekommen. Am benachbarten Downhill Beach entstand die Kulisse für Drachenstein in den ersten Staffeln. Ja, die Sieben Königslande sind in Nordirland wirklich nur einen Katzensprung voneinander entfernt! Ein Pimm’s zu leckeren Fish & Chips in Harry’s Shack, einer rustikalen Hütte mit täglich fangfrischem Fisch, bringt mich sanft zurück in die Realität.

Portstewart Strand, Nordirland © Andrea David

Portstewart Strand, Nordirland © Andrea David

Jaime an der Küste von Dorne, Portstewart Strand, Nordirland © HBO

Jaime an der Küste von Dorne, Portstewart Strand, Nordirland © HBO

Harry's Shack, Portstewart Strand, Nordirland © Andrea David

Harry’s Shack, Portstewart Strand, Nordirland © Andrea David

Nach meiner Reise nach Westeros und zu den Anfängen von „Game of Thrones” habe ich große Lust mir alle Folgen noch einmal von vorne anzusehen.

 

Ab 17. November 2016 gibt es Staffel 6 auch auf DVD und Blu-ray.

Weitere Entdeckungsreisen durch die fiktive Welt von „Game of Thrones”:
In Malta und Dubrovnik habe ich mich auf die Suche nach Qarth und Königsmund gemacht. In Girona habe ich das reale Braavos unter die Lupe genommen und in Island habe ich mich „nördlich der Mauer” umgesehen. Winter is here!

 

Übersichtskarte:

Linktipps:
„Game of Thrones” Gebiet Nordirland
Der „Game of Thrones” Wandteppich
Bildergalerie der Game of Thrones Drehorte

Tourtipps:
Ganztagestour „Game of Thrones” in den Norden
Ganztagestour „Game of Thrones” mit Castle Ward

Passende Reise für Thronies:
Drehorttour Westeros mit Übernachtung in Belfast

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Offenlegung: Die Recherchereise durch Nordirland wurde von HBO ermöglicht.

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