„Der Dritte Mann“ von Carol Reed aus dem Jahr 1949 ist ein in schwarz-weiß gedrehter Nachkriegsfilm. Schauplatz des Films ist die in Besatzungszonen aufgeteilte Stadt Wien nach dem Zweiten Weltkrieg. Orson Welles spielt in der Hauptrolle Harry Lime, den Kopf einer Bande von Penicillin-Schiebern. Der Film wurde unter anderem durch das von Anton Karas auf der Zither gespielte Harry-Lime-Thema bekannt und ist gleichzeitig ein historisches Dokument zur Geschichte Wiens.

Gedreht wurde unter anderem auf dem Wiener Zentralfriedhof im 11. Bezirk, in der Wiener Kanalisation und an diversen Orten der Inneren Stadt. Im 1. Bezirk finden sich auch das Palais Pallavicini (Josefsplatz 5), Limes Wohnhaus, vor dem er angeblich von seinem eigenen Fahrer überfahren wurde und ein unbekannter dritter Mann ihn von der Straße tragen half. In der Schreyvogelgasse 8 wurde die Szene mit der Katze gedreht.

Drehort "Der Dritte Mann", Palais Pallavicini, Wien © Andrea David

Drehort „Der Dritte Mann”, Palais Pallavicini, Wien © Andrea David

Weitere Drehorte sind die Judengasse, die Mölkerbastei, die Kirchen Maria am Gestade und St. Ruprecht sowie die Reichsbrücke. Beim Riesenrad im 1948 wiedereröffneten Vergnügungspark des Wiener Praters wurde die Szene gedreht, in der Holly Martins zum ersten Mal mit dem tot geglaubten Harry Lime spricht. Dort hält dieser zur Rechtfertigung des Penicillinhandels seine berühmte, von Welles improvisierte „Kuckucksuhr-Rede“:

„In Italien, in den 30 Jahren unter den Borgias hat es nur Krieg gegeben, Terror, Mord und Blut, aber dafür gab es Michelangelo, Leonardo da Vinci und die Renaissance. In der Schweiz herrschte brüderliche Liebe, 500 Jahre Demokratie und Frieden. Und was haben wir davon? Die Kuckucksuhr!“

Daraus ergab sich dann auch ein großer Filmfehler, denn Kuckucksuhren stammen ja bekanntlich aus dem Schwarzwald in Deutschland.

Wiener Prater © Andrea David

Wiener Prater © Andrea David

Der Casanova Club in der Dorotheengasse 6 ist immer noch ein Nachtclub und auch das Theater in der Josefstadterstraße 26 existiert noch. Das Kaffeehaus „Marc Aurel“, wo Harry, Holly und Anna aufeinander treffen, war hingegen eine am Hohen Markt errichtete Kulisse. Harry Lime flieht und steigt durch eine Litfasssäule auf dem Platz Am Hof, ebenfalls eine Atrappe, in die Wiener Kanalisation hinab. Weitere Aufnahmen erfolgten in den Isleworth und Shepperton Studios, London, in denen auch Teile der Verfolgungsjagd durch das Kanalsystem am Ende des Films entstanden.

In Wien wird ganzjährig eine ca. 2 1/2-stündige Drehorttour zum Film angeboten. Hier werden die wichtigsten Schauplätze in der Innenstadt und sogar die Kanaldrehorte besichtigt. Zudem erhält man viele Hintergrundinformationen zur Entstehung des Filmes und darf schließlich der live auf der Zither gespielten Filmmusik lauschen. Für näher Interessierte gibt es zudem ein Dritte-Mann-Museum mit einer umfangreichen Sammlung von Originalexponaten zum Film. Wer den Film gerne vor Ort in Wien sehen möchte, kann dies im Wiener Burgkino tun. Dort wird der Film schon seit 15 Jahren drei Mal die Woche in englischer Originalfassung gezeigt.

Filmtour „Der Dritte Mann”, Wien © GetYourGuide

Filmtour „Der Dritte Mann”, Wien © GetYourGuide

Tourtipp: Rundgang zu Drehorten von „Der Dritte Mann”

Linktipps: Dritte-Mann-Museum, Burgkino Wien

Verwandter Artikel: Oscarreife Filmtouren

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.