Das hässliche Entlein. Die kleine Meerjungfrau. Die Prinzessin auf der Erbse. Geschichten, die ich schon von klein auf kenne. Sie alle stammen aus der Feder von Hans Christian Andersen, dem, behaupte ich mal, bekanntesten Dänen auf der Welt. Aufgewachsen ist er auf Fünen, der zweitgrößten Insel Dänemarks. In der Stadt Odense kann man das Haus seiner Kindheit besichtigen, zahlreiche Skulpturen erinnern an ihn, es gibt sogar ein Hans Christian Andersen Festival. Die vielen Schlösser, Kirchen und Herrensitze auf der Insel dienten Andersen als Inspiration für so manches Märchen, die zum großen Teil von Disney & Co. verfilmt wurden. Die Geschichte Andersens selbst wartet hingegen immer noch auf eine Verfilmung.

Hans Christian Andersen Haus, Fünen © Visit Denmark

Derweil ist auch Fünen immer häufiger auf der großen Leinwand zu sehen. Nicht selten in Begleitung von Schauspieler Mads Mikkelsen, einem weiteren dänischen Exportschlager. Spätestens seit seiner überzeugenden Rolle als Bösewicht Le Chiffre im James-Bond-Film „Casino Royale” ist er international bekannt. In seiner Heimat gehört er schon länger zur Stammbesetzung. Die Filme zeugen meist von tiefschwarzem Humor. Ich mag besonders die Produktionen von Regisseur Anders Thomas Jensen, wie „Flickering Lights”, „Dänische Delikatessen” und „Adams Äpfel”. Die beiden letztgenannten entstanden auf Fünen.

Horne Kirke aus „Adams Äpfel”, Fünen © Andrea David

Ein Besuch bei der Horne Kirke in der Nähe von Faaborg im Süden Fünens ist für mich daher Pflicht. Hier gibt Mikkelsen den grenzenlos optimistischen Pfarrer Ivan, der den Straftäter Adam (Ulrich Thomsen) in „Adams Äpfel” resozialisieren soll. In und um die Kirche sieht es fast so aus wie im Film, mit zwei Ausnahmen: Die Kirche befindet sich direkt am Örtchen Horne, das im Film überhaupt keine Rolle spielt. Und der große Apfelbaum, der in der Geschichte eine so hohe Symbolkraft bekommt, wurde nur für den Dreh aufgestellt. Große Stieleichen umgeben die Kirche. An diesem Umstand hat sich wohl jemand gestört, denn genau an jener Stelle, an der auch der Filmbaum stand, sprießt nun ein frisch gepflanztes Apfelbäumchen.

Am Set von „Adams Äpfel” in Horne, Fünen © Rolf Konow
Horne Kirke aus „Adams Äpfel”, Fünen © Andrea David

In Faaborg suche ich das Haus, in dem Außenseiter Svend (Mads Mikkelsen) in „Dänische Delikatessen” seine allseits beliebten Killerjiller verkauft. Ohne die genaue Adresse hätte ich es wohl nicht erkannt. Die Fassade des Erdgeschosses hat einen neuen Anstrich bekommen, es handelt sich um ein ganz normales Wohnhaus. Leicht wieder zu erkennen ist dagegen das Brahetrolleborg Schloss bei Korinth, nordöstlich von Faaborg. Das ehemalige Kloster dient im Film als Wohnsitz von Pastor Villumsen und Bestattergehilfin Astrid. Das Grundstück selbst darf nicht betreten werden, dafür lohnt ein Blick in die kleine Kirche nebenan.

Metzgerei aus „Dänische Delikatessen” in Faaborg, Fünen © Andrea David
Schloss Brahetrolleborg aus „Dänische Delikatessen” bei Korinth, Fünen © Andrea David

Auf Fünen wurden übrigens auch einige Szenen für das oscar-prämierte Drama „In einer besseren Welt” gefilmt. Und sogar jetzt wird hier, dank FilmFyn, gerade wieder gedreht: Anders Thomas Jensen arbeitet an seinem vierten Film „Men and Chicken”, der Anfang 2015 in die Kinos kommen soll. Mads Mikkelsen ist auch dabei.

Am Set von „Men and Chicken” in Kappendrupp, Fünen © FilmFyn/Jens Wognsen

Mein Vorschlag: Schauspieler Mikkelsen spielt irgendwann den Schriftsteller Hans Christian Andersen. Der Kreis der Geschichten auf Fünen würde sich meiner Meinung nach wunderbar schließen.

Linktipps:
Andersens Lieblingsorte auf Fünen
Alle Drehorte auf Fünen
Andersens Leben als Film?

3 Responses

  1. Christine Braun

    Vielen Dank für die Infos. Wir sind nächste Woche in Dänemark und da wollte ich gerne die Kirche aus „Adams Äpfel” besichtigen. Nun planen wir noch einen Abstecher zur Schlachterei aus „dänische Delikatessen” ein :-)

    Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.