Interview mit Roland Emmerich in Hamburg
Interview mit Roland Emmerich in Hamburg © Andrea David

Im Schnack: Roland Emmerich

Kein deutscher Regisseur hat Hollywood so nachhaltig geprägt wie Roland Emmerich. Mit Blockbustern wie „Independence Day“, „The Day After Tomorrow“, „2012“ und „White House Down“ hat er das Genre des Katastrophenfilms maßgeblich geprägt und weltweit Millionen von Kinobesuchern begeistert. In seinen Filmen hat er schon dreimal Manhattan und zweimal das Weiße Haus zerstört, ließ unzählige Male die Welt untergehen.

Im Interview spricht der Filmemacher über den damaligen Erfolg von „Independence Day“, den künftigen Einsatz von KI, warum man sich nicht wünschen sollte, dass seine Filme in der eigenen Stadt spielen, und wie er über die Apokalypse denkt.

 

Stimmt es, dass „Star Wars“ Sie einst inspiriert hat, selbst Regisseur zu werden?

Das ist tatsächlich ein Mythos, aber als ich auf die Filmhochschule München gegangen bin, war das eben zur gleichen Zeit, als auch „Star Wars“ und „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ in den Kinos liefen.

Die Filme hatten später jedoch durchaus starken Einfluss auf meine eigenen Science-Fiction-Werke.

 

30 Jahre „Independence Day“! Das macht mich ganz nostalgisch, da ich mit meinen Freunden damals in den Neunzigern Independence Day Watch Parties veranstaltet habe. Welche eigenen Erinnerungen haben Sie zum Start von „Independence Day“?

Als der Film herauskam, war ich gerade in Mexiko und Freunde haben mir Videos von den Schlangen vor den Kinos gezeigt. Da konnte ich kaum glauben, was ich sehe!

Mein Ansprechpartner bei 20th Century Fox meinte zu mir: „Das ist kein Film, das ist ein Phänomen.“ Denn alles lief bei diesem Film anders als sonst.

Ich war sehr stolz darauf, doch wenn du so einen Erfolg hattest, rennst du dem natürlich immer hinterher. An jeden Film, den du danach machst, gibt es riesige Erwartungen, die du eigentlich nicht erfüllen kannst.

 

Bonneville Salt Flats in "Independence Day", Utah
Bonneville Salt Flats in „Independence Day“, Utah © Andrea David

 

Planen Sie für künftige Filme, noch reale Filmdrehorte zu verwenden, oder denken Sie dies ist in Zeiten von KI vorbei?

Ich denke, es ist immer noch am besten, echte Locations zu verwenden, denn die Natur ist wirklich schwer nachzuahmen. Doch es wird künftig teils real, teils KI sein.

Ich mache gerade einen Test, bei dem ich die Reaktionen des Publikums teste, also ob die Emotionen in einer Szene wirklich so ankommen, wie gedacht. Und dann entscheide ich, ob ich es so belasse oder lieber nochmal ein Jahr mit dem Einsatz von KI abwarte.

Ich denke, durch die neuen Möglichkeiten spielt es künftig auch keine große Rolle mehr, wie die Schauspieler aussehen, also deren Größe oder Alter, denn das kann man ja ebenfalls anpassen.

 

Szene aus "The Day After Tomorrow" an der New York Public Library
Szene aus „The Day After Tomorrow“ an der New York Public Library © Andrea David

 

Gibt es einen Ort oder ein Wahrzeichen, das sie gerne in einem ihrer künftigen Filme sehen würden?

Ach, ich habe eigentlich schon alles in die Luft gejagt!

Manchmal werde ich gefragt, könntest du nicht diesen oder jenen Ort in deinen Filmen verwenden? Zum Beispiel in Neu-Dheli oder in Tokio wurde ich gefragt, könntest du nicht mal unsere Stadt zum Schauplatz machen?

Es muss aber natürlich zur Geschichte passen und man muss überlegen, ob man das wirklich will, denn die Natur ist gnadenlos.

Es gibt etwa die Szene im Film „2012“, da fällt den betenden Menschen die Decke der Sixtinischen Kapelle auf den Kopf und der Petersdom rollt über den Platz und tötet viele Menschen. Will man solche Filmszenen wirklich in der eigenen Stadt sehen?

 

Alienangriff aufs Weiße Haus in "Independence Day" 1996
Alienangriff aufs Weiße Haus in „Independence Day“ 1996 © Twentieth Century Fox

 

Wären Sie denn auf einen Weltuntergang vorbereitet?

Haha, gute Frage!

Das weiß ich nicht, aber ich war neulich mit meinem Boot zum ersten Mal auf der griechischen Insel Patmos. Dort gibt es diese Höhle, die angeblich der Schöpfungsort der Offenbarung des Johannes ist, dem letzten Buch des Neuen Testaments. Hier soll Johannes seine Träume von der Apokalypse gehabt und diese weitergegeben haben.

Doch diese Visionen haben sich nie bewahrheitet, weshalb ich denke, er hat sich damit vielleicht geirrt und die Apokalypse kommt gar nicht.

 

Das Interview mit Roland Emmerich habe ich im Juli 2026 im Rahmen der CineHamburg geführt.

 

 

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