Filmstart: 19. April 2018

Pariser Geschäftsfrau trifft auf traditionsverbundenen Basken: da ist das Chaos natürlich vorprogrammiert. Der Kinofilm „Die Pariserin - Auftrag Baskenland“ von Regisseur Ludovic spielt mit den Klischees der beiden unterschiedlichen Lebensarten und lässt sie immer wieder zusammenprallen. So wird Großstadtpflanze Sibylle (Élodie Fontan), die im Auftrag ihrer Firma einen alteingesessenen Familienbetrieb im Baskenland aufkaufen soll, mit der Widerspenstigkeit der Dorfbewohner konfrontiert. Als besonders stur erweist sich Macho Ramuntxo (Florent Peyre), der Neffe des Geschäftsinhabers, dessen Charme jedoch nicht lange ohne Wirkung bleibt.

Auf den Spuren von „Die Pariserin - Auftrag Baskenland”

 

Auf den Spuren von „Die Pariserin“ im Baskenland

Im französischen Baskenland bin ich den Klischees aus dem Film und natürlich auch den Drehorten, die im Film so malerisch wirken, näher auf den Grund gegangen. Mein Startpunkt ist dabei genau der Ort, in dem auch Sibylle zusammen mit ihrem jungen Schwager Gaetan (Damien Ferdel) für ihren scheinbar einfachen Auftrag eincheckt: Das Hotel Arraya in Sare, etwa eine Stunde vom Flughafen Donostia-San Sebastián entfernt. Es befindet sich direkt im Zentrum und sieht genauso aus wie im Film, nur der Haupteingang ist in Realität ein anderer. Der Ausblick vom Zimmer in den Garten am Morgen ist traumhaft und nach einem extrem leckeren Frühstück bin ich bereit für meine Drehorttour.

Blick aus dem Zimmer, Hotel Arraya, Sare, Baskenland © Andrea David

Hotel Arraya, Sare, Baskenland © Andrea David

Den wichtigsten Schauplatz, auf dem sich die meisten Dorfszenen abspielen, habe ich beim Gang aus dem Hotel gleich direkt vor der Nase. Auf dem Marktplatz kreuzen sich die Wege der Hauptfiguren immer wieder. Heute gibt es an einem kleinen Stand Gâteau basque á la cerise, mit Kirschmarmelade gefüllte Kuchen.

Dorfplatz in Sare, Baskenland © Andrea David

Szene aus „Die Pariserin”, Hotel Arraya, Sare, Baskenland © Andrea David / X Verleih

Neben dem Café de la Mairie, ebenfalls ein Drehort in „Die Pariserin“, ragt der Kirchturm der Église Saint-Martin empor. Am anderen Ende des Platzes entdecke ich eine Betonwand, deren Funktion mir zunächst schleierhaft ist. Wie ich später erfahre, handelt es sich um ein Frontón, wie man das Spielfeld des baskischen Nationalsports Pelota, das etwas dem Squash ähnelt, hier nennt.

Szene aus „Die Pariserin”, Café de la Mairie, Sare, Baskenland © Andrea David / X Verleih

Église Saint-Martin, Sare, Baskenland © Andrea David

Szene aus „Die Pariserin”, Sare, Baskenland © Andrea David / X Verleih

Nach näherer Erkundung des Dorfplatzes ist klar: Den Espadrilles-Laden von Ramuntxo aus dem Film gibt es so in Wahrheit nicht, allerdings findet man eine große Auswahl der leichten Sommerschuhe, die tatsächlich typisch für die Region sind, im kleinen Laden neben dem Hotel Arraya. Dort finde ich auch die Orangen- und Kirschmarmelade vom Hotelfrühstück und decke mich gleich für Zuhause ein. Den Schnaps Izarra, der Sibylle im Film zum Verhängnis wird, habe ich hier noch nicht gefunden, aber vielleicht stoße ich ja noch woanders auf das „grüne Gift“.

Szene aus „Die Pariserin”, Sare, Baskenland © Andrea David / X Verleih

Espadrilles im Laden neben dem Hotel Arraya, Sare, Baskenland © Andrea David

Szene aus „Die Pariserin”, Hotel Arraya, Sare, Baskenland © Andrea David / X Verleih

Bei einem kleinen Rundgang durch Sare fällt es schwer, sich hier eine geschäftige Filmcrew vorzustellen. Das Dorfleben geht sehr gemächlich seinen Gang und die kleinen Gassen geben immer mal wieder einen Blick auf das hügelige Umland frei. Der Ort gehört zu Recht zu den „Les plus beaux villages de France“, also den schönsten Dörfern Frankreichs, zu denen übrigens auch Flavigny-sur-Ozerain aus dem Film „Chocolat“ gehört. „Aber nun nehmen Sie sich doch die Zeit, um zu sehen, wo Sie hier gelandet sind…“ sagt Ramuntxo im Film zu Sibylle. Das lohnt sich hier an jeder Ecke.

Sare, Baskenland © Andrea David

Szene aus „Die Pariserin”, Sare, Baskenland © Andrea David / X Verleih

Die Suche nach dem Eisenwarenladen, den Sibylle Besitzer Ferran (Daniel Prévost) so verzweifelt versucht abzukaufen, führt mich schließlich an die Küste nach Saint-Jean-de-Luz, etwa eine halbe Stunde von Sare entfernt. Das große Gebäude mit der Aufschrift „Chez Renauld“ beheimatet in Wirklichkeit eine Bar. Ganz in der Nähe probiere ich mich in und um die Markthalle durch französische Köstlichkeiten - regionale Produkte haben wie im Film dargestellt einen enormen Stellenwert im Baskenland - bis ich richtig Appetit bekomme. Am Place Louis XIV (ja, Ludwig XIV. hat hier im Ort geheiratet) zieht es mich für einen Teller Jakobsmuscheln ins „Le Suisse“. Schräg gegenüber in der Maison Adam gibt es in Schokolade getauchte Peperoni.

Szene aus „Die Pariserin”, Sean-Jean-de-Luz, Baskenland © Andrea David / X Verleih

Markthalle in Sean-Jean-de-Luz, Baskenland © Andrea David

Szene aus „Die Pariserin”, Sean-Jean-de-Luz, Baskenland © Andrea David / X Verleih

Le Suisse, Sean-Jean-de-Luz, Baskenland © Andrea David

Mein anschließender Verdauungsspaziergang führt mich zum Hafen und dem alten Pier, an dem entlang sich die Häuser typisch baskischer Architektur aneinanderreihen und auf der anderen Seite das Meer tobt. Saint-Jean-de-Luz ist bei Feinschmeckern und Surfern denke ich gleichermaßen beliebt. In der Rue Gambetta kaufe ich Geschirrtücher im baskischen, farbenfrohen Streifendesign. Ich könnte hier noch ewig umherstreifen, doch fehlt mir noch ein weiterer Ort auf meinem Plan:

Sean-Jean-de-Luz, Baskenland © Andrea David

Alter Pier, Sean-Jean-de-Luz, Baskenland © Andrea David

Bayonne! Hier war das Stadtfest, bei dem Sibylle gleich zu Beginn des Filmes von einer Blaskapelle umgerannt wird. Nach einem kleinen Rundgang durch die Altstadt finde ich den dazugehörigen Ort in der Rue de Basques, parallel zum Fluss Nive.

Bayonne, Baskenland © Andrea David

Szene aus „Die Pariserin”, Bayonne, Baskenland © Andrea David / X Verleih

Weitere Szenen für „Die Pariserin“ entstanden am Porte d’Espagne, das schon im 4. Jahrhundert als südlicher Zugang zur Stadt diente. Wem hier die Füße wehtun, jedoch noch mehr sehen möchte, sollte den orangefarbenen, kostenlosen Elektrobus nutzen, der in der ganzen Stadt verkehrt.

Szene aus „Die Pariserin”, Bayonne, Baskenland © Andrea David / X Verleih

Porte d’Espagne, Bayonne, Baskenland © Andrea David

Besonders sehenswert finde ich die Kathedrale Sainte-Marie de Bayonne aus dem 13. Jahrhundert. Als ich dort vom Kreuzgang wieder rauskomme, springt mir schließlich ein Izarra-Bild ins Auge. So kann ich den grünen Kräuterlikör aus dem Film also doch noch probieren und passenderweise sogar an dem Ort, woher er auch stammt. Der Izarra, baskisch für Stern, ist mit 40 % vol. mit Vorsicht zu genießen, sonst geht es einem am Ende vielleicht wie Sibylle im Film und man erscheint am nächsten Tag in der Zeitung…

Kreuzgang, Bayonne, Baskenland © Andrea David

Izarra-Kostprobe in Bayonne, Baskenland © Andrea David

Mein Fazit nach dieser Reise: Die starke Identität des Baskenlandes ist an vielen Orten sichtbar und spürbar. Sibylle fragt Ramuntxo in einer Filmszene, ob er denn nun Franzose oder Spanier sei. Seine Antwort bringt es meiner Meinung nach auf den Punkt: „Ich bin keins von beidem! Ich bin Baske!“

 

Filmtrailer: Die Pariserin - Auftrag Baskenland (ab 19.4.)

Hoteltipp: Hotel Arraya in Sare (das Zimmer aus dem Film ist die Nr. 8)

Weitere Drehorte im Baskenland:
James Bond - Die Welt ist nicht genug: Guggenheim Museum in Bilbao
Game of Thrones: Playa de Itzurun in Zumaia, San Juan Gaztelugaxte, Playa de Muriola in Barrika

Szene aus „Game of Thrones”, Playa de Itzurun, Zumaia, Baskenland © Andrea David / HBO

Filmfestival im Baskenland: International Film Festival in San Sebastián

 

Offenlegung: Meine Recherchereise auf den Spuren von „Die Pariserin - Auftrag Baskenland“ wurde von X Verleih unterstützt.

4 Responses

  1. ines osch

    Sehr charmant gemacht, man bekommt sofort Lust auf diese Gegend, welche ich ein wenig kenne.
    Ines

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