Am 31. Oktober 2017 jährte sich zum 500. Mal die Veröffentlichung der 95 Thesen, die Martin Luther, der Überlieferung nach, an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg schlug. Der Kinofilm „Luther“ aus dem Jahr 2003 ist eines der größten internationalen Filmprojekte über das Leben und Wirken Martin Luthers. Der Film zeigt die Entwicklung des jungen Luther vom selbstzweiflerischen Mönch zum Reformator.

Unter der Regie von Eric Till ist in „Luther“ eine hochkarätige, internationale Besetzung zu sehen: Joseph Fiennes als Martin Luther, Bruno Ganz („Der amerikanische Freund“) als Luthers väterlicher Mentor, Sir Peter Ustinov in der Rolle des sächsischen Kurfürsten Friedrich der Weise, Claire Cox als Katharina von Bora, Uwe Ochsenknecht als Papst Leo der X., Mathieu Carrière als Kardinal Cajetan und Alfred Molina („Chocolat“) als Ablasshändler Tetzel.

Der Historienfilm „Luther“ wurde in drei verschiedenen Ländern gedreht. Neben Tschechien und Italien - in Pian Castagno, Viterbo und Caprarola entstanden die Szenen, in denen Luther zum ersten Mal unmittelbaren Kontakt mit der Welt des Vatikans hat - dienten in Deutschland vor allem die Burgen und mittelalterliche Städte in Thüringen und Franken als Kulissen. Die meisten Drehorte fand man im thüringisch-fränkischen Rodachtal zwischen Heldburger und Coburger Land, wo die Filmproduktion mit den ersten Drehtagen startete.

Zwar existieren in Deutschland noch viele der Burgen, die Luther aufsuchte, aber sie sind verändert, renoviert oder als Ruinen belassen worden, weshalb man für „Luther“ weitere passende Filmmotive benötigte. Für die Schauspieler war es wichtig, die Atmosphäre der mittelalterlichen Bauten in sich aufzunehmen, ganz unabhängig von historischen Spitzfindigkeiten. „Für die Rolle ist es ungemein hilfreich, wenn man auch noch nach 500 Jahren den biologischen, klimatischen, architektonischen und sozialen Hintergrund der Geschichte spürt“, bestätigt Alfred Molina.

Die einzelnen Orte im Rodachtal, die gekonnt in die Rolle der Originalschauplätze schlüpften, lassen sich gut zu einer Drehorttour mit dem Auto oder Fahrrad verbinden:

 

1) Heldburg

In der Pfarrkirche „Unserer Lieben Frauen“ in Heldburg erließ Alfred Molina als Ablasshändler Tetzel den verängstigten Menschen ein paar Jahre im Fegefeuer. Handlungsort ist die Kirche von Jüterborg.

Filmszene aus „Luther” in der Stadtkirche Heldburg, Rodachtal © NFP / Rolf von der Heydt

Veste Heldburg © Initiative Rodachtal / Hagen Lehmann

 

2) Ummerstadt

Geschäfte mit der Sündenangst: Das fränkische Städtchen diente mit seinen Fachwerkhäusern als Außenkulisse für Jüterbog, wo Johann Tetzel den Ablass predigte. Auch Wittenberg wurde hier für den Film in Szene gesetzt.

Filmszene aus „Luther” in Ummerstadt, Rodachtal © NFP / Rolf von der Heydt

Filmszene aus „Luther” in Ummerstadt, Rodachtal © NFP / Rolf von der Heydt

 

3) Seßlach

An der alten Steinbrücke wurden in einem Lager am Flussufer die 95 Thesen verlesen. Außerdem wurde hier die Szene der Bücherverbrennung gedreht und am Stadttor in Seßlach filmte man die Ankunft Tetzels in Jüterborg.

Filmszene aus „Luther” in Seßlach, Rodachtal © NFP / Rolf von der Heydt

Filmszene aus „Luther” in Seßlach, Rodachtal © NFP / Rolf von der Heydt

Stadtmauer Seßlach © Stadtverwaltung Seßlach

 

4) Ahorn – Schloss Hohenstein

Im Schloss Hohenstein feierte Martin Luther seine Filmhochzeit mit Katharina von Bora, einer aus dem Kloster entlaufenen Nonne. Einzelne Szenen wurden sowohl im Innenhof als auch im Schlosspark gedreht.

Filmszene aus „Luther” auf Schloss Hohenstein, Ahorn, Rodachtal © NFP / Rolf von der Heydt

Schloss Hohenstein © Gemeinde Ahorn

 

5) Veste Coburg

Für „Luther“ wurde hier in den Burghöfen, im Treppenaufgang und auf dem Bulgarenturm gedreht. Anstatt auf der Wartburg übersetzte Luther für die Leinwand hier das Neue Testament und auch von außen schlüpfte die Veste für wichtige Außenszenen in diese Rolle.

Filmszene aus „Luther” auf der Veste Coburg, Rodachtal © NFP / Rolf von der Heydt

Filmszene aus „Luther” auf der Veste Coburg, Rodachtal © NFP / Rolf von der Heydt

Abseits des Filmes ist hier auch die reale Verbindung Coburgs mit Martin Luther erlebbar: Im Jahr 1530 lebte und arbeitete der Reformator für fünfeinhalb Monate auf der Veste, die ihm Schutz während des Augsburger Reichstages bot. Die Veste Coburg zählt mit ihren zahlreichen Kunstschätzen aus der Reformationszeit zu den bedeutenden Luther-Gedenkstätten in Deutschland.

Veste Coburg © Tourismusregion Coburg.Rennsteig / rainerbrabec.de

 

In den Münchner Bavaria Studios hat Gesamtausstatter Rolf Zehetbauer fünf Sets gebaut, darunter die große Halle und die legendäre Reliquienkammer Friedrichs des Weisen, einen Gang mit Klosterzellen und Luthers Turmstube auf der Wartburg. Die Wartburg selbst ist im Film übrigens auch zu sehen, wenn auch in ungewohnter Rolle: Der große Saal im ersten Stock wurde dank Setdesign zur Bischöflichen Residenz in Worms.

 

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