Loriot-Drehorte aus "Ödipussi"
© Matze Gebauer

Auf den Spuren von Loriot

Vicco von Bülow, besser bekannt als Loriot, zählt zu den wichtigsten Persönlichkeiten der deutschen Literatur. Bekannt geworden durch seine gesellschaftskritischen Karikaturen schrieb er Ende der 70er Jahre mit seiner Vorabendserie „Loriot“ Fernsehgeschichte. Er selbst spielte dabei diverse Hauptrollen und führte in allen Episoden Regie.

Der Kult um Loriot nimmt bis heute nicht ab. Sein filmisches Schaffen ist allgegenwärtig und jedes Jahr am Heiligabend erzielt „Weihnachten bei Hoppenstedts“ im Fernsehen Rekordquoten. Dauerhaft an Loriots Seite spielten Evelyn Hamann und Heinz Meier.

Zwei seiner komödiantischen Kunstfiguren wurden von „Loriot“ sogar auf die Kinoleinwände gebracht. Mit Unterstützung von Rialto-Film wurden 1988 „Ödipussi“ und 1990 „Pappa ante portas“ zu großen Erfolgen an den Kinokassen. Gedreht wurden die Filme zum größten Teil in Berlin und Umgebung.

 

Höchste Zeit für eine Loriot-Tour durch die Stadt:

„Du isst ja gar nichts!“, predigt Mutter Winkelmann ihrem 45-jährigen Sohn, der an ihrem Esstisch sitzt und sein Mittag genießt. „Warum hast du dir nur diese Wohnung genommen? Andere Jungs wohnen doch auch bei ihrer Mutter“, fährt sie fort und nennt ihren Sohn liebevoll „Pussi“, woraus sich der Filmtitel ableitet.

Mit dieser Szenerie beginnt der Film „Ödipussi“, welcher die Geschichte von Paul Winkelmann erzählt, dessen Mutter sich nicht von ihrem Sohn trennen kann. Die Villa von Mutter Winkelmann befindet sich in Berlin-Lichterfelde, in der Ringstraße 28 und wird heute als Mehrfamilienhaus genutzt.

 

Drehort aus "Ödipussi" in der Ringstraße, Berlin-Lichterfelde
Drehort aus „Ödipussi” in der Ringstraße, Berlin-Lichterfelde © Matze Gebauer
Drehort aus "Ödipussi" in der Ringstraße, Berlin-Lichterfelde
Drehort aus „Ödipussi” in der Ringstraße, Berlin-Lichterfelde © Matze Gebauer

 

Direkt nach diesem Ritual begibt sich ihr Sohn, mit seiner Aktentasche unter dem Arm, zu Fuß in sein Möbel- & Ausstattungsgeschäft. Hier lernt Paul Winkelmann (Vicco von Bülow) zu Beginn des Filmes Margarethe Tietze (Evelyn Hamann) kennen.

Das Möbelgeschäft liegt im Berliner Stadtteil Wilmersdorf, in der Meierottostraße 1. Die Ladenfläche wird heute von einer Künstlerin genutzt, welche hier Aktmodelle ausstellt.

 

Drehort aus "Ödipussi" in der Meierottostraße, Berlin
Drehort aus „Ödipussi” in der Meierottostraße, Berlin © Matze Gebauer

 

Die beiden begegnen sich erneut, als Herr Winkelmann in einem Bekleidungsgeschäft gesäßbetonte Unterhosen der Größe 6 kaufen möchte. In Ermangelung an Hinweisen, wo sich dieser Laden befindet, entschloss ich mich Kontakt zur damaligen Produktionsfirma aufzunehmen. Doch auch in den Akten von Rialto-Film gab es leider keine Notiz über den Drehort.

Als letzte Quelle blieben mir nur die Schauspieler, welche an der Szene mitwirkten. Und Karl-Ulrich Mewes (heute über 90 Jahre alt), welcher in der besagten Szene den Verkäufer spielte, konnte sich tatsächlich noch an die Dreharbeiten erinnern. „Das war in der Bleibtreustraße!“, verriet er mir bei einem Treffen.

Und tatsächlich, der damalige Laden befand sich in der Bleibtreustraße 13, direkt am Kurfürstendamm. Heute ist hier ein Bekleidungsgeschäft mit dem Namen „Dolce Vita“, allerdings hat es seinen früheren Charme heute gänzlich verloren.

 

Drehort aus "Ödipussi" in der Bleibtreustraße, Berlin
Drehort aus „Ödipussi” in der Bleibtreustraße, Berlin © Matze Gebauer

 

Keine 500 Meter entfernt befindet sich ein unscheinbares Schaufenster am Kurfürstendamm, das ebenfalls ein Teil von Loriots Geschichten ist. Das Haus mit der Nummer 216 beinhaltet heute einen Laden der „Mephisto“-Kette. Ende der 80er Jahre befand sich hier jedoch ein Geschäft von „Roeckl-Lederwaren“.

Im Film „Pappa ante portas“ entdeckt Heinrich Lohse (Vicco von Bülow) bei einem Spaziergang mit seiner Frau Renate (Evelyn Hamann) genau hier eine Werbung für Rohrsysteme, die er ihr detailliert erklärt.

 

Drehort aus "Pappa anta portas" am Kurfürstendamm, Berlin
Drehort aus „Pappa anta portas” am Kurfürstendamm, Berlin © Matze Gebauer

 

Die Komödie „Pappa ante portas“ erzählt die Geschichte von Heinrich Lohse, welcher in seinem Vorruhestand den Alltag seiner Frau durcheinanderbringt. Zum Vorruhestand wurde er von seinem Vorgesetzten aufgrund eines absurden Vorratskaufs an Schreibmaschinenpapier gedrängt.

Die Szene der Papieranlieferung wurde in der damaligen Bundesanstalt für Versicherungswesen am Ludwigkirchplatz 3 gedreht. Heute ist hier der Sitz der Stiftung für Wissenschaft und Politik, welche die NATO und die UN bei internationalen Themen berät. Dass die Räumlichkeiten einst von Loriot als Drehort genutzt wurden, war den heutigen Eigentümern nicht bekannt.

Die Szene der Entlassung wurde in einem Besprechungsraum des Axel-Springer-Hochhauses in der Axel-Springer-Straße 65 gedreht.

Herr Lohse geht anschließend nach Hause und überrascht seine Frau Renate am frühen Vormittag mit seiner Rückkehr. Die Außenkulisse des Wohnhauses der Familie Lohse befindet sich in Berlin-Zehlendorf in der Ahrenshooper Zeile 61.

 

Drehort aus "Pappa anta portas" in der Ahrenshooper Zeile, Berlin-Zehlendorf
Drehort aus „Pappa anta portas” in der Ahrenshooper Zeile, Berlin-Zehlendorf © Matze Gebauer

 

Das Nachbarhaus (Nr. 59) taucht ebenfalls im Film auf, als Herr Lohse Nachbarin Brigitte Mielke (Dagmar Biener) beim Laubhaken trifft. Die Innenaufnahmen der Häuser entstanden allerdings im Studio Babelsberg.

 

Drehort aus "Pappa anta portas" in der Ahrenshooper Zeile, Berlin-Zehlendorf
Drehort aus „Pappa anta portas” in der Ahrenshooper Zeile, Berlin-Zehlendorf © Matze Gebauer
Drehort aus "Pappa anta portas" in der Ahrenshooper Zeile, Berlin-Zehlendorf
Drehort aus „Pappa anta portas” in der Ahrenshooper Zeile, Berlin-Zehlendorf © Matze Gebauer

 

Am Tag darauf schickt Frau Lohse ihren Mann zum Einkaufen. Dort erwirbt er statt einem Glas Senf, gleich 250 Gläser, weil der Preis ab dieser Menge günstiger ist. Das in dieser Szene gezeigte Lebensmittelgeschäft befand sich in Berlin in der Auguste-Victoria-Straße 70. Heute ist hier immer noch ein Supermarkt, allerdings mit Schwerpunkt auf türkische Produkten und moderner gestaltet.

Auf der Suche nach einer gemeinsamen Beschäftigung besuchen Herr und Frau Lohse eine Dichterlesung in einer Bibliothek. Der Drehort befindet sich in der Jägerstraße 2, Berlin-Mitte. Damals war dieses Gebäude noch der „Club der Kulturschaffenden“, heute ist es der Sitz der Stadtvertretung Hamburg und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Als Frau Lohse sich mit einer Freundin zum Kaffee trifft, kommt Herr Lohse spontan dazu und bringt seine Frau in Verlegenheit, als dieser meint, eine alte Bekannte am Nachbartisch zu erkennen. Das im Film gezeigte Lokal ist der Wintergarten des „Grand Hotels“ in der Friedrichstraße. Dieser hat sich seit den Dreharbeiten kaum verändert, ist aber leider ebenfalls nicht öffentlich zugänglich.

Entnervt von ihrem Mann fährt Frau Lohse mit ihm nach Hause. Weil er zu sehr an ihren Fahrkünsten meckert, erzwingt sie einen Fahrerwechsel und verursacht damit einen Stau. Die Aufnahmen für diese Szene entstanden in der Kopischstraße.

Frau Lohse sucht sich schließlich eine Beschäftigung außerhalb ihres Hauses. Sie stellt sich bei der Klotz-Schokoriegel-Manufaktur vor und unterstützt kurzweilig Herrn Direktor Drögel (Hans-Helmut Müller) bei der Verkostung.

Die Aufnahmen der Manufaktur entstanden auf dem Hinterhof der Schokoladenfabrik Walter, in der Burgemeisterstraße 12. Die Fabrik gibt es heute jedoch nicht mehr.

Aus Frust über ihre derzeitige Situation versinkt Frau Lohse in einer Bar und unterhält sich am Tresen mit dem homosexuellen Barkeeper (Heinz Rennhack) über das Glück einer Ehe. Gedreht wurde die Szene im Landhaus Bott, in der Königsallee 56.

Ebenfalls im Landhaus Bott entstand die Szene des Restaurantbesuchs, bei dem sich die Lohses einen Jägerspieß teilen. Das Lokal ist heute nicht mehr vorhanden, die Räumlichkeiten werden momentan von einer Anwaltskanzlei genutzt.

Selbstverständlich wurde auch außerhalb von Berlin gedreht, so entstand z.B. der Schluss von „Pappa ante portas“ auf der Seebrücke Ahlbeck auf der Insel Usedom. Hier besuchen die Lohses den 80sten Geburtstag von Renates Mutter.

 

Seebrücke Ahlbeck auf der Insel Usedom
Seebrücke Ahlbeck auf der Insel Usedom

 

Zum Abschluss meines Berlin-Rundgangs fehlt nun nur noch eines: Ein Besuch beim Meister persönlich. Direkt am Olympiastadion besuche ich den Waldfriedhof Heerstraße. Hier befindet sich die letzte Ruhestätte des einzig wahren „Loriots“.

Viele Fans waren bereits vor mir hier. Das Grab ist umringt von gelben Quietscheenten und Mopsfiguren.

 

Waldmops in Brandenburg an der Havel
Waldmops in Brandenburg an der Havel

 

Angelehnt an Loriots bekannten Waldmops­-Sketch kann man sich übrigens in seiner Geburtsstadt Brandenburg an der Havel auf einer 2-stündigen Führung auf die Spuren der ausgewilderten Waldmöpse begeben.

 

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