Brandenburg ist oft dort, wo man es nicht erwartet:

Wenn Carry Mathison (Claire Danes) in „Homeland“ durch Amsterdam streift, ist sie in Wahrheit im holländischen Viertel in Potsdam unterwegs. Die Außenfassade der Taverne La Louisiane, in der in Tarantinos „Inglourious Basterds“ das Treffen mit Bridget von Hammersmark (Diane Kruger) schiefläuft, findet man nicht in Frankreich, sondern in Nauen. Und die Räume der ehemaligen Heilstätten in Beelitz wurden für „A Cure for Wellness“ kurzerhand zu Dr. Volmers (Jason Isaacs) Kurklinik in den Schweizer Alpen.

"Homeland"-Drehort Holländisches Viertel, Potsdam

„Homeland”-Drehort Holländisches Viertel, Potsdam © Andrea David

Dies sind nur wenige Beispiele, in denen „Brandywood“ als Filmschauplatz genutzt wurde. Die Locationvielfalt um Berlin sowie die Nähe zu den Babelsberger Filmstudios machen den Filmemachern die Entscheidung oft leicht, sich für Drehorte in Brandenburg zu entscheiden. Und so gehen regelmäßig Bilder aus Brandenburg um die Welt. Nur wissen das die wenigsten Zuschauer. Darum gibt es hier einen genaueren Blick hinter die Kulissen der Film- und Serien-Highlights made in Brandenburg:

 

Potsdam ist Filmmetropole

Was echten Filmfans schon lange klar war, gibt es nun schwarz auf weiß: Potsdam wurde von der UNESCO zur Creative City of Film gekürt und steht damit, als erste deutsche Stadt, in einer Reihe mit Filmstädten wie Rom, Mumbai oder Wellington. Die Auszeichnung hat Potsdam natürlich vor allem dem Studio Babelsberg, dem ältesten Filmstudio der Welt, zu verdanken. Dort fiel vor über hundert Jahren die erste Klappe und bis heute werden die Hallen genutzt, nicht nur von deutschen Regisseuren. Berühmte Regiegrößen wie Quentin Tarantino, Steven Spielberg, Roman Polański oder Wes Anderson haben in den Studios gedreht.

Szene aus „Babylon Berlin” in der Neuen Berliner Straße, Studio Babelsberg © ARD Degeto/X-Filme/Beta Film/Sky Deutschland/Frédéric Batier

Für die Serie „Babylon Berlin“ errichtete man auf dem Studiogelände mit der Neuen Berliner Straße die größte Außenkulisse der Welt. Und es gibt noch eine Besonderheit: Das Studio Babelsberg ist das einzige der Welt, das noch im sogenannten Studioprinzip arbeitet. Das heißt alle einzelnen Gewerke wie Schreiner, Tischler, Schlosser, Stuckateure, Bildhauer, usw. hat man hier direkt vor Ort. Je nachdem wie viele Produktionen aktuell laufen, werden auf Anfrage auch Touren angeboten und man kann selbst einmal die historische Marlene-Dietrich-Halle, den riesigen Kostümfundus oder Rezeption und Fahrstuhl aus „The Grand Budapest Hotel“ aus nächster Nähe sehen.

Rezeption aus "The Grand Budapest Hotel", Studio Babelsberg, Potsdam

Rezeption aus „The Grand Budapest Hotel”, Studio Babelsberg, Potsdam © Andrea David

Auch außerhalb des Studios gibt es für Filmfans in Potsdam vieles zu erkunden: den Filmpark Babelsberg mit zahlreichen Originalrequisiten, das Filmmuseum Potsdam mit mehr als 500 Exponaten in der Dauerausstellung „Traumfabrik - 100 Jahre Film in Babelsberg” sowie natürlich sehenswerte Drehorte.

Militärcamp aus "Monuments Men", Filmpark Babelsberg

Militärcamp aus „Monuments Men”, Filmpark Babelsberg © Andrea David

Filmmuseum Potsdam

Filmmuseum Potsdam © Andrea David

Im Park Sanssouci sind das zum Beispiel das Orangerieschloss, das in „In 80 Tagen um die Welt” einen Auftritt bekam, und die Treppe am Ehrenhof, die in „Aeon Flux“ zu sehen war. In der Innenstadt gehört die Nikolaikirche zu den beliebten Filmmotiven Potsdams, unter anderem für das Filmdrama „Die Welle“.

Nikolaikirche Potsdam

Nikolaikirche Potsdam © Andrea David

Etwas außerhalb der Stadt befindet sich die geschichtsträchtige Glienicker Brücke, auf der Steven Spielberg mit Tom Hanks in der Hauptrolle den Thriller „Bridge of Spies“ drehte. Während der deutsch-deutschen Teilung war sie als Agenten-Austausch-Brücke bekannt und hier hat auch tatsächlich der Austausch von Abel gegen Powell stattgefunden. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel stattete dem Filmteam während der Dreharbeiten einen Besuch am Originalschauplatz ab.

Die Glienicker Brücke aus "Bridge of Spies" zwischen Berlin und Potsdam

Die Glienicker Brücke aus „Bridge of Spies” zwischen Berlin und Potsdam © Andrea David

Die Glienicker Brücke überspannt die Havel und blickt man von hier aus Richtung Norden, entdeckt man am Ufer die Heilandskirche am Port von Sacrow. Die 1844 erbaute Kirche mit dem freistehenden Glockenturm ist eine beliebte Hochzeitslocation, doch im Film „Keinohrhasen“ scheitert Nora Tschirner als Anna hier mit ihrem Liebesgeständnis an Ludo (Til Schweiger), da die vorbeifahrenden Schiffe ihre Worte übertönen.

Heilandskirche am Port von Sacrow, Potsdam

Heilandskirche am Port von Sacrow, Potsdam © TMB-Fotoarchiv/Bernd Kröger

Drehort für "Keinohrhasen", Heilandskirche am Port von Sacrow, Potsdam

Drehort für „Keinohrhasen”, Heilandskirche am Port von Sacrow, Potsdam © Andrea David

Der außergewöhnliche Baustil und die charmante Lage der Kirche machen diesen Platz für mich zu einem meiner Lieblings(dreh)orte in Brandenburg.

 

Lost Places als beliebte Drehorte

Verlassene Gebäude, auch Lost Places genannt, werden sehr gerne als Drehorte genutzt, da sie leichter über eine längere Zeit nutzbar sind und der Produktion durch die bereits vorhandene Architektur oft kostspielige Filmkulissen ersparen. In Brandenburg finden sich zahlreiche solcher Orte, die ihre frühere Nutzung zwar verloren haben, jedoch im Laufe der Zeit zu attraktiven Schauplätzen für Filme und Serien wurden.

Badehaus, Beelitz-Heilstätten

Badehaus, Beelitz-Heilstätten © Andrea David

Zu meinen persönlichen Favoriten gehören die ehemaligen Heilstätten in Beelitz. Sie wurden Anfang des 19. Jahrhunderts als Lungenheilanstalt für Tuberkulose-Kranke gebaut, mit Sanatorien für Männer und Frauen. Im ersten und zweiten Weltkrieg dienten sie dann als Lazarett für verwundete Soldaten, danach besetzte das russische Militär das Areal, welches seit dem Fall der Mauer jedoch brachlag.

Die besondere Atmosphäre der Gebäude mit endlosen Fluren, imposanten Sälen und Treppenaufgängen hat in den letzten Jahren schließlich etliche Filmemacher angezogen.

Filmszene aus "Der Pianist", Verwaltungsgebäude des Männersanatoriums, Beelitz-Heilstätten

Filmszene aus „Der Pianist”, Verwaltungsgebäude des Männersanatoriums, Beelitz-Heilstätten © Andrea David

Angefangen mit Detlev Bucks „Männerpension“, über Roman Polańskis „Der Pianist“ und Tom Cruises „Operation Walküre“, bis Thomas Anders Jensens „Men and Chicken“ und Gore Verbinskis „A Cure for Wellness“ schlüpften die Beelitzer Heilstätten in die unterschiedlichsten Filmrollen, mal gruselig, mal trist, mal geheimnisvoll. Die Häuser der Männerklinik, die dabei am häufigsten als Motiv dienten, können an einzelnen Terminen bei einer 7-stündigen Fotobase ausgiebig erkundet werden. Sehr zu empfehlen!

Filmszene aus "A Cure for Wellness", Badehaus des Männersanatoriums, Beelitz-Heilstätten

Filmszene aus „A Cure for Wellness”, Badehaus des Männersanatoriums, Beelitz-Heilstätten © Andrea David

Mads Mikkelsen in einer Filmszene aus "Men & Chicken" in den Beelitzer Heilstätten bei Potsdam

Mads Mikkelsen in einer Filmszene aus „Men & Chicken” in den Beelitzer Heilstätten bei Potsdam © Andrea David

Bekannter Lost Place und Filmdrehort ist auch das ehemalige Chemiewerk in Rüdersdorf. Die Liste der hier entstandenen Produktionen ist lang: Für die Agenten-Serie „Homeland“ wurde die Location in ein libanesisches Flüchtlingscamp umgestaltet, die Band Rammstein nutzte sie als Set für eine Mondlandung im Musikvideo zum Song „Amerika”. In der Serie „Dark“ wiederum diente sie als Kulisse für das Atomkraftwerk in der apokalyptischen Zukunft. Das weitläufige Gelände war zudem in Kinofilmen wie „Monuments Men“, „Inglourious Basterds“ und „Die Tribute von Panem“ zu sehen.

Ruine des ehemaligen Chemiewerks, Rüdersdorf

Ruine des ehemaligen Chemiewerks, Rüdersdorf © Matthias Gebauer

Das Areal um das Chemiewerk darf nur nach vorheriger Genehmigung betreten werden, vom danebenliegenden Museumspark aus kann man jedoch einen Blick darauf werfen. Dort zeigt das 17 Hektar große Freilicht-Industriemuseum die Geschichte des Kalksteinabbaus in Rüdersdorf. Zahlreiche Berliner Gebäude entstanden aus dem von hier stammenden Baustoff.

Dass Hollywood-Stars nicht immer glamourös sein müssen, beweist auch die Kaserne Krampnitz. Das ehemalige Militärgelände am nördlichen Stadtrand von Potsdam schaffte es schon in einige Blockbuster. So schlug sich beispielsweise Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) hier durch das Capitol im letzten Teil der „Tribute von Panem”-Saga.

Altes Magazin, Kaserne Krampnitz, Potsdam

Altes Magazin, Kaserne Krampnitz, Potsdam © Matze Gebauer

"Resident Evil" Drehort, Raum der Pokale, Offizierscasino, Kaserne Krampnitz, Potsdam

„Resident Evil” Drehort, Raum der Pokale, Offizierscasino, Kaserne Krampnitz, Potsdam © Matze Gebauer

Aktuell entstehen an selber Stelle neue Wohnhäuser, so dass bereits ein paar der cineastischen Bauten abgerissen wurden, andere stehen jedoch unter Denkmalschutz. Dazu gehört das Offizierscasino, das Bernd Eichinger für die Eröffnungssequenz seines Horrorfilmes „Resident Evil” nutzte, und das in Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds” als Landhaus von Winston Churchill zu sehen war. Sonntags finden auf dem Gelände der Kaserne Krampnitz Führungen statt, bei denen auch über Dreharbeiten auf dem Areal berichtet wird.

 

Weitere Drehorte in Brandenburg

Bei näherer Betrachtung des Filmlands Brandenburg eröffnet sich eine schier endlose Liste an Schauplätzen, die man hier nicht vermutet hätte. Klar, den Spreewaldkrimi kann man noch leicht verorten, aber wer weiß, dass auch die Serien „Dark“, „Babylon Berlin“, „Berlin Station“, „Weißensee“ und „Deutschland 86“ jeweils in mehreren Landkreisen Brandenburgs entstanden?

Mein Lieblingsdrehort aus „Dark“ ist übrigens der Südwestkirchhof Stahnsdorf. Auf diesem steht die Friedhofskapelle, die im Laufe der Serie immer wieder einmal zu sehen ist. Der weitläufige Waldfriedhof, der bereits vor hundert Jahren eröffnet wurde, bewegt sich in der Größenordnung des Pariser Père Lachaise oder des Wiener Zentralfriedhofs, ist jedoch im Gegensatz zu diesen für Besucher eher noch ein Geheimtipp.

„Dark” Drehort am Südwestkirchhof Stahnsdorf, Brandenburg

„Dark” Drehort am Südwestkirchhof Stahnsdorf, Brandenburg © Andrea David

Bei Filmschaffenden ist der Südwestkirchhof allerdings schon seit Längerem bekannt: Im März 2009 drehte Roman Polański hier für „Der Ghostwriter“ mit Ewan McGregor die Szenen rund um Paul Emmetts Haus und für den Polit-Thriller „Der Fall Collini“ mit Elyas M’Barek filmte man hier die große Beerdigung. Übrigens befindet sich auf dem Friedhof auch das Grab von „Nosferatu“-Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau.

Grab von Regisseur Murnau, Südwestkirchhof Stahnsdorf, Brandenburg

Grab von Regisseur Murnau, Südwestkirchhof Stahnsdorf, Brandenburg © Andrea David

Der mehrfach ausgezeichnete Film „Das weiße Band“, der in einem kleinen, norddeutschen Ort um 1913 spielt, wurde zum großen Teil in der Prignitz gedreht. So entstanden fast alle Szenen für das fiktive Eichwald in der düsteren Schwarz-Weiß-Erzählung von Michael Hanecke in Realität im Dorf Netzow. Noch heute zeugt eine Erinnerungstafel vor der Dorfkirche von den Dreharbeiten. Mit dieser bedankten sich die Filmemacher bei den Dorfbewohnern für die großartige Unterstützung.

Szene aus "Das weiße Band" in Netzow, Brandenburg

Szene aus „Das weiße Band” in Netzow, Brandenburg © Matze Gebauer

Erinnerung an den Filmdreh in Netzow, Brandenburg

Erinnerung an den Filmdreh in Netzow, Brandenburg © Matze Gebauer

Ein Filmdrama mit wahrer Begebenheit brachte vor ein paar Jahren Eisenhüttenstadt auf die Brandenburger Drehort-Landkarte. Zwar trugen sich die Ereignisse aus „Das schweigende Klassenzimmer“ tatsächlich in Storkow zu, aber Stalinstadt, wie Eisenhüttenstadt zwischen 1953 und 1961 hieß, bot mit dem alten Planstadtteil aus den 50ern die ideale Kulisse. Mit dem Historienfilm „Und der Zukunft zugewandt“ schaffte es „Hütte“, wie die Einwohner ihre Stadt nennen, wenig später erneut auf die Kinoleinwand.

Szene aus „Das schweigende Klassenzimmer” in Eisenhüttenstadt © Studiocanal

Neben historischen Filmen entstanden außerdem eine ganze Reihe bekannter Kinderfilme in Brandenburg: Für „Conni & Co” zog es Regisseurin Franziska Buch nach Kleinmachnow, Detlev Buck schickte „Bibi und Tina” auf Abenteuertour durch die Mittelmark, und „Hanni und Nanni” wohnten im Schloss Marquardt am Schlänitzsee.

Die Drehortliste ließe sich noch ewig weiterführen. So ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass man beim nächsten Kinobesuch oder Fernsehabend wieder ein Fleckchen aus Brandenburg sehen kann. Ich bin schon gespannt, in welche Geschichte es dann eingebettet ist.

 

 

Linktipps:
Filmland Brandenburg
Heilandskirche Sacrow
Südwestkirchhof Stahnsdorf

 

Empfohlene Touren:
Stadtrundgang Babelsberg – Filmstars, Villen, Weltgeschichte
Fotobase in den Beelitz Heilstätten
Museumspark Rüdersdorf

 

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Offenlegung: Dieser Beitrag entstand mit Unterstützung der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH und des Medienboards Berlin-Brandenburg GmbH.

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