Die Locationvielfalt um Berlin sowie mehrere tausend Nazi-Uniformen im Babelsberger Studiofundus machten Quentin Tarantino die Entscheidung leicht, als es 2008 um die Entstehung seines neuesten Filmes „Inglourious Basterds” ging. Über 10 Jahre hatte er an dem Drehbuch geschrieben und zum Finale seines kreativen Schaffens kam der Tarantino nach Deutschland, um sein Skript endlich in Bilder zu verwandeln. In den Hauptrollen spielen unter anderem Brad Pitt, Christoph Waltz, Eli Roth und sowie die deutschen Schauspieler Til Schweiger, Daniel Brühl und Diane Kruger.

 

Kapitel Eins: „Es war einmal, im von den Nazis besetzten Frankreich…”

Die Eröffnungssequenz des Filmes spielt auf einem Kuhland um Nancy. Einen Dreh vor Ort lehnte Tarantino jedoch ab, weil er in Sachsen einen passenden Drehort fand: eine einsame Wiese in Sebnitz (Stadtteil Hertigswalde). Ursprünglich wollte das Studio Babelsberg hier eine Liebesszene für den Film „Der Vorleser” drehen, welche allerdings nie entstand. Nun ließ man hier aus Holz, Stein und Pappe ein Bauernhaus mit Milchbetrieb bauen, welches von Hans Landa (Christoph Waltz) einer Inspektion unterzogen wird. Der Hof wurde bereits kurz nach dem Dreh wieder entfernt, dennoch lohnt sich aufgrund der schönen Landschaft ein Besuch.

Drehort der Eröffnungsszene in Sebnitz, Sachsen © Matthias Gebauer

Wenn man bereits eine Reise nach Sachsen auf sich genommen hat, sollte man von Sebnitz aus ins 60 Minuten entfernte Görlitz fahren. Die Stadt diente bereits in etlichen Filmen als Drehort („In 80 Tagen um die Welt”, „Der Vorleser”, „Goethe”, „Grand Budapest Hotel”, „Die Bücherdiebin”) und auch Quentin Tarantino entdeckte „Görliwood” für sich. Für 4 Tage ließ er den Untermarkt am alten Rathaus sperren und drehte dort mit Daniel Brühl als Fredrick Zoller und 200 Statisten in amerikanischen Uniformen die Schwarz-Weiß-Aufnahmen zum Film im Film „Stolz der Nation!”

Rathaus und Untermartkt Görlitz, Sachsen © Andrea David
Brunnen am Untermartkt Görlitz, Sachsen © Andrea David

 

Kapitel Zwei: „Inglourious Basterds”

Wir sehen Lieutenant Aldo Raine (Brad Pitt) vor einem Militärbau stehen, wie er für seine Frontkämpfer einer Ansprache hält. Entstanden sind diese Aufnahmen in der ehemaligen US-Botschaft Berlin Zehlendorf (Clayallee 127). Im Inneren des Gebäudes entstanden die Aufnahmen von Hitlers Büro. Filmtouristen müssen hier leider mit einem Blick vom Zaun aus Vorlieb nehmen, jedoch ist im Inneren ohnehin nicht mehr allzu viel wiederzuerkennen. In den Gebäuden selbst wird zwar schon lange nicht mehr gearbeitet, aber unzählige Akten der US Regierung lagern dort und daher ist das Betreten verboten. Zwei Polizisten am Eingang sorgen dafür, dass man sich auch daran hält.

Ehemalige US-Botschaft, Berlin Zehlendorf © Matthias Gebauer

In der nächsten Sequenz sehen wir die Basterds in einer Art Schützengraben mitten im Wald. Die Szenen, in der auch der „Bärenjude” (Eli Roth) seinen großen Auftritt hat, entstanden im Fort Hahneberg in Berlin Spandau (Hahnebergsweg 50, direkt an der B5). Wenn man hier eine Führung bucht, wird man direkt durch den besagten Graben geführt und bekommt als Bonus noch interessante und witzige Geschichten vom Dreh zu hören. Seit Ende 2014 kann man als Besucher auch die inneren Gewölbe des Forts erkunden, in denen sich unter anderem die Gefängniszelle von Hugo Stiglitz (Til Schweiger) befindet.

Fort Hahneberg, Berlin Spandau © Matthias Gebauer

Nur 15 Minuten von Spandau entfernt befindet sich ein weiterer Drehort in der Stadt Nauen. In einer eher baufälligen Seitengasse der Altstadt findet man die Außenfassade der Taverne La Lousianne (Neue Straße 29), sowie zwei Häuser weiter die Außenfassade des Lokals, in dem zum Ende des Filmes das Verhör zwischen Hans Landa und Lieutenant Raine stattfindet (Neue Straße 27). Diese zwei Gebäude sind ein gutes Beispiel dafür, was für ein großartiges Setdesign im Studio Babelsberg angeboten wird. Mit einfachsten Mitteln verwandelten die Dekorateure eine verwitterte, ostdeutsche Seitenstraße in eine französische Kleinstadt in den 1940ern (im Film mit dem Namen „Nadine”). Beeindruckend und nur schwer wiederzuerkennen.

„Nadine” Drehort in Nauen, Brandenburg © Matthias Gebauer

 

Kapitel Drei: „Ein deutscher Abend in Paris…”

Wir sehen Shosanna Dreyfuß (Mélanie Laurent) vor dem atemberaubenen Eingang ihres Pariser Kinos, in dem zurzeit der Film „Die weiße Hölle vom Piz Palü” gezeigt wird. Das Kino war allerdings nur eine Fassade aus Pappe und Holz und brannte beim Dreh der finalen Szene komplett nieder. Die Straßen um das Kino herum waren ebenfalls nur Kulisse: die berühmte „Berliner Straße” auf dem Gelände des Studios Babelsberg. Die Inspirationsvorlage des Kinos kann man jedoch andernorts noch besuchen. Ursprünglich sollten die Innen- und Außenaufnahmen des Kinos im und vor dem Filmpalast (heute Cinestar) Görlitz in der Jacobstraße 16 stattfinden. Das Kino steht jedoch unter Denkmalschutz und die Stadtverwaltung erlaubte dem Filmteam keine Feuerexperimente. So entschloss man sich ein Duplikat der Außenansicht im Studio Babelsberg in der Marlene-Dietrich-Halle zu errichten. Die Innenräume des Kinos baute man als feuerfestes Set in den Ruinen eines ehemaligen Chemiewerkes in Rüdersdorf bei Berlin auf.

Palast-Theater Görlitz, Sachsen © Andrea David

Da der französische Charme von Paris nicht komplett ignoriert werden sollte, entschied Mr. Tarantino eine Szene tatsächlich dort zu drehen: Shosanna liest im Bistrot La Renaissance (112 Rue Championnet, Paris) ein Buch und trifft erneut auf den Soldaten Frederick Zoller. In der darauf folgenden Szene, wird Shosanna zum Mittag mit Joseph Goebbels (Sylvester Groth) eingeladen. Die berühmte „Apfelstrudel-Szene” wiederum entstand in der Bibliothek des Café Einstein Stammhaus in der Kurfürstenstraße 58 in Berlin.

Bistrot La Renaissance, Paris © Matthias Gebauer
Cafè Einstein Stammhaus, Berlin © Matthias Gebauer

 

Kapitel Vier: „Operation Kino”

Lieutenant Archie Hicox (Michael Fassbender) trifft im Musikzimmer eines Landhauses General Ed Fenech (Mike Myers) und Winston Churchill (Rod Taylor), um von ihnen in die „Operation Kino” eingeweiht zu werden. Gedreht wurde die Szene in der leerstehenden Kaserne Krampnitz, im Norden Potsdams (Fahrland). Das Gelände wurde von den Nazis gebaut, den Russen übernommen und steht seit 1991 leer. Diverse Filme („Enemy at the Gates”, „Mein Führer”, „Resident Evil”) wurden hier bereits gedreht. Wichtig für Filmtouristen: Das Betreten des Geländes ist strengstens verboten, wird vom Wachschutz vor Ort geahndet und ist wegen der Baufälligkeit der Gebäude auch nicht ungefährlich!

 

Kapitel Fünf: „Die Rache des Riesengesichtes”

Im letzten Akt des Filmes kommt noch ein weiterer Drehort hinzu. Die im Film als kleines, französisches Dorflokal dargestellte Location befindet sich im wahren Leben mitten in Berlin und bietet ein breites Angebot an köstlichen Gerichten sowie zwei Tanzsälen und Bühnen. In Clärchens Ballhaus (Auguststraße 24, Berlin Mitte) kann man sich bis heute an den Tisch setzten, an dem Hans Landa und Aldo Raine das Ende des dritten Reiches beschlossen. Im Winter 2013 nutzte George Clooney das Ballhaus übrigens auch noch einmal als Drehort für den Film „Monuments Men”.

Clärchens Ballhaus, Berlin © Matthias Gebauer

 

Linktipps:
Cafè Einstein Stammhaus Berlin
Clärchens Ballhaus Berlin
Bistrot La Renaissance Paris

Verwandte Artikel im Reiseblog:
Hollywood in Deutschland - Unterwegs in Görliwood
Die verlassene Kaserne Krampnitz im Film

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.