Da stehe ich nun wieder: auf dem Gaislachkogl in 3.000 Metern Höhe mit seinem grandiosen 360-Grad-Panorama. Das letzte Mal war ich vor drei Jahren hier, um mir in Sölden die Drehorte aus „Spectre“ anzusehen. Heute freue ich mich, die neue James Bond Installation “007 Elements” erkunden zu dürfen. Neben dem gläsernen Restaurant ice Q, das im letzten Bond-Abenteuer in die Rolle der Hoffler Klinik schlüpfte, halte ich Ausschau nach dem Gebäude der 007-Ausstellung, zunächst ohne Erfolg…

„Spectre”-Drehort ice Q, Gaislachkogl, Sölden, Tirol © Andrea David

Eingang zur Installation 007 Elements, Gaislachkogl, Sölden, Tirol © Andrea David

Kurz darauf wird mir auch klar warum: Zusammen mit Architekt Johann Obermoser und Tino Schaedler, dem Design Chef von Optimist Inc., die diese Erlebniswelt gemeinsam mit Bond-Kreativdirektor Neal Callow hervorbrachten, geht es durch einen eher unscheinbaren Eingang hinter dem Restaurant direkt in den Berg hinein. Und kurz darauf finde ich mich schon zu vertrauten Bond-Klängen in einem Tunnel wieder, der einen über verschiedene Titelsequenzen auf einer Leinwand perfekt auf die Welt von James Bond einstimmt.

007 Elements, Gaislachkogl, Sölden, Tirol © Andrea David

Barrel of the Gun, 007 Elements, Gaislachkogl, Sölden, Tirol © Kristopher Grunert, Bergbahnen Sölden

Dieses „Vorzimmer“ nennt sich Barrel of a Gun, also Gewehrlauf, und führt weiter zum Plaza, auf dem sich der Blick auf das umliegende Bergpanorama über dem Venter Tal eröffnet. Ich kann mir richtig gut vorstellen, wie hier ein übler Bösewicht darüber sinniert, wie er die Weltherrschaft am besten an sich reißen könnte. Die Architektur erinnert stark an den berühmten Bond-Produktionsdesigner Ken Adam, der in den 60er- und 70er-Jahren aufwändige Szenenbilder für die James-Bond-Filme kreierte.

Plaza, 007 Elements, Gaislachkogl, Sölden, Tirol © Andrea David

Tino Schaedler erläutert auf dem Plaza: „Wir wollten das, was Ken Adams Architektur ausgemacht hat, verstehen und dann hier in einer zeitgemäßen Version anwenden. Ken Adam hat ja die Architektur immer für die Kamera entworfen. Und gerade hier an dieser Stelle merkt man beispielsweise, wie dynamisch die Linien verlaufen. Ein weiteres Merkmal seiner Arbeit war, dass viel Naturstein in die Sets integriert wurde.“ Architekt Johann Obermoser ergänzt: „Zu den wichtigen Elementen, die wir hier eingesetzt haben, um ein Bond-Feeling herzustellen, gehören die Perspektiven, gerade Kanten und Raumzuschnitte.“

Lobby, 007 Elements, Gaislachkogl, Sölden, Tirol © Kristopher Grunert, Bergbahnen Sölden

Von der Plaza geht es wieder zurück in den Berg, wo uns Regisseur Sam Mendes in der Lobby persönlich auf einer Leinwand begrüßt und unter anderem erklärt, wie man damals auf Sölden als geeigneten James Bond Drehort kam. Im anschließenden Spiegelkabinett bekomme ich Gänsehaut, da ich plötzlich von sämtlichen 007-Darstellern umgeben bin, von Connery bis Craig, sowie weiterer wichtiger Charaktere der Filme. Die Bonds, Bösewichte und Bondgirls werden hier über riesige Spiegelflächen verräumlicht. Im Briefing Room gibt Naomi Harris alias Moneypenny Einblicke in verschiedene Location-Highlights und wie eigentlich das spannende Wechselspiel aus Drehorten und Setbauten aussieht.

Design Chef Tino Schaedler im „Lair”, 007 Elements, Gaislachkogl, Sölden, Tirol © Anton Klocker, Bergbahnen Sölden

Architekt Johann Obermoser im Briefing Room, 007 Elements, Gaislachkogl, Sölden, Tirol © Andrea David

Etwas reizüberflutet, freue ich mich im nächsten Abschnitt der Ausstellung wieder einen Blick auf die reale Außenwelt, passenderweise einen Drehort, zu bekommen. Zu sehen ist die Ötztaler Gletscherstraße, die sich Richtung Rettenbachferner schlängelt. Hier jagte Bond in „Spectre“ Bösewicht-Handlanger Mr. Hinx (Dave Batista) hinterher. Für die aufregende Verfolgungsjagd waren hier 45 Range Rover und zwei Britten-Norman Islander Flugzeuge im Einsatz.

Valley Passage mit Blick auf die Gletscherstraße, 007 Elements, Gaislachkogl, Sölden, Tirol © Andrea David

Doch was wäre Bond ohne seine technischen Spielereien? So ist diesen, wie ich schon erwartet hatte, ein eigener Raum gewidmet. Im Tech Lab werden einige der modernen 007-Gadgets vorgestellt, mit denen man hier als Besucher auch interagieren kann. Beispielsweise kann man sich über einen Hand-Scan selbst als Geheimagenten identifizieren lassen. Zu den Ausstellungsstücken gehören auch ein paar Originalrequisiten wie etwa die „Golden Gun“ von Bösewicht Scaramanga aus „Der Mann mit dem goldenen Colt“ oder die Omega-Uhr, mit deren Hilfe sich Pierce Brosnan in „GoldenEye“ durchkämpfte.

Tech Lab, 007 Elements, Gaislachkogl, Sölden, Tirol © Andrea David

Agenten-Scan im Tech Lab, 007 Elements, Gaislachkogl, Sölden, Tirol © Andrea David

Die daran anschließende Action Hall, die wiederum den Stuntszenen Raum bietet, beeindruckt mich dagegen ganz ohne digitale Inszenierung. Mein absolutes Highlight: Vor der Bergkulisse sieht man das vordere Teil des Flugzeugs, das Daniel Craig in „Spectre“ in eine Berghütte crasht, quasi direkt auf sich zu fliegen. Wer sich nicht mehr exakt an die Filmszenen erinnert, kann sich im Screening Room noch einmal die gesamte Verfolgungsjagd durch die Alpen ansehen.

Action Hall, 007 Elements, Gaislachkogl, Sölden, Tirol © Andrea David

Mit Architekt Johann Obermoser in der Action Hall, 007 Elements, Gaislachkogl, Sölden, Tirol © Andrea David

Screening Room, 007 Elements, Gaislachkogl, Sölden, Tirol © Kristopher Grunert, Bergbahnen Sölden

Den Abschluss der Ausstellung bildet die Legacy Gallery, die einen über Touchscreens noch einmal die ganze Bondwelt der letzten Jahrzehnte eröffnet. Zu jedem Film werden Infos über dessen Entstehung und ausgewählte „Behind the scenes“-Aufnahmen gezeigt, die von EON Productions zur Verfügung gestellt wurden. Im gleichen Raum befindet sich auch ein Shop mit 007-Erinnerungsstücken zum Mitnehmen.

Legacy Gallery mit Shop, 007 Elements, Gaislachkogl, Sölden, Tirol © Andrea David

Behind-the-Scenes-Infos in der Legacy Gallery, 007 Elements, Gaislachkogl, Sölden, Tirol © Andrea David

James Bond Souvenirs, 007 Elements, Gaislachkogl, Sölden, Tirol © Andrea David

Als ich die Installation wieder verlasse bin ich geflasht von den vielen Eindrücken sowie überrascht, als ich bemerke, dass sich der Ausgang unter dem Eingang befindet. Tatsächlich überwindet man von Raum zu Raum kaum merklich neun Meter Höhenunterschied. Es dauert eine Weile bis ich draußen wieder ganz in der realen Welt angekommen bin, doch genau das dürfte von den Machern so gewollt sein…

Ausgang von 007 Elements, Gaislachkogl, Sölden, Tirol © Andrea David

Mein Fazit: Was mir besonders gut an „007 Elements“ gefällt, ist, dass sich die Ausstellung im wahrsten Sinne des Wortes in die Bergwelt einpasst und mit dieser zusammen ein stimmiges Schauspiel ergibt. Wie das Geheimversteck eines Bond-Bösewichts ist die Installation von außen eher unscheinbar, aber hat es wirklich in sich. Stellenweise hatte ich das Gefühl, ich betrete hier ein echtes Bond-Set, das nur noch auf das Filmteam wartet. Das Ziel, den Besuchern die Welt um James Bond vor Ort erlebbar zu machen, wurde aus meiner Sicht vor allem architektonisch vollkommen erreicht. Für Sölden-Urlauber ist „007 Elements“ sowohl im Winter als auch Sommer eine sehenswerte Abwechslung, für echte Bondfans dagegen schon ein Must-See.

 

Weitere Infos zu 007 Elements:

 

Öffnungszeiten und Preise
Die Ausstellung „007 Elements“ ist ab 12. Juli bis zum 30. September sowie vom 26. Oktober bis zum 28. April 2019 täglich von 9 bis 15.30 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet € 22 bzw. für Jugendliche € 17 und für Kinder € 12, wobei das empfohlene Mindestalter für Kinder bei 12 Jahren liegt. Die Kosten für die Auffahrt sind darin noch nicht enthalten. (siehe Anreise)

Besichtigungsdauer und Klima
Für die Ausstellung sollte man etwa eine Stunde einplanen. Die gebuchten Timeslots verhindern, dass sich zu viele Personen gleichzeitig in den Räumen befinden. Um das Bergklima in der Installation spürbar zu machen, hat man bewusst auf eine Heizung verzichtet. Auch im Sommer empfiehlt es sich daher, eine Jacke dabei zu haben.

Anreise
Für die Auffahrt auf den Gaislachkogl benötigt man ein Ticket (Skipass oder Ötztal-Card) für die Gaislachkoglbahnen I und II. Für die Fahrt von der Talstation in Sölden über die Mittelstation (2174 Meter) bis hinauf auf 3000 Meter sollte man etwa eine halbe Stunde einplanen. Ein Kombi-Ticket für Auffahrt und Eintritt in „007 Elements“ kostet 54 Euro (ermäßigt € 49 bzw. € 30).

Wer sich bereits in der Bergbahn, die übrigens auch Q (Ben Whishaw) in „Spectre“ betrat, auf Bond einstimmen möchte, sollte an der Mittelstation auf die goldene „007 Elements“-Gondel warten, in der bereits bekannte 007-Klänge zu hören sind.

Hoteltipp:
Hotel Bergland in Sölden (hier nächtigte auch die 007-Crew während der Dreharbeiten)

 

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Offenlegung: Diese Recherchereise wurde von Ötztal Tourismus ermöglicht.

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