Wo kann man sein Filmfan-Dasein am besten ausleben? Klar, auf Drehortreisen oder in Filmparks und Studios ist man im richtigen Element. Wer jedoch auch Stars und viele Gleichgesinnte treffen möchte, ist wohl am besten auf einer Convention aufgehoben. Diese Erfahrung habe ich 2016 zum ersten Mal auf der Comic Con in Berlin machen können. Doch wie ist es eigentlich, wenn sich die Con fast ausschließlich um eine einzige Serie dreht? Als treuer „The Walking Dead“-Zuschauer, ja man könnte auch Fan sagen, bin ich dieser Frage auf der Walker Stalker Con in Mannheim, der ersten ihrer Art überhaupt in Deutschland, nachgegangen.

Panel mit Tom Payne (Jesus), Walker Stalker Con Germany, Mannheim © Andrea David

Trotz der klirrenden Kälte herrscht in der Schlange vor den Toren des Maimarktgeländes gute Stimmung. Die Aussicht, schon Minuten später auf die beliebten (oder gehassten) Seriencharaktere aus „The Walking Dead“ treffen zu können, sorgt für angeregte Gespräche unter den Besuchern. Eine 16-Jährige, die zusammen mit ihrer Mutter angereist ist, freut sich besonders auf Daryl-Darsteller Norman Reedus. Sie fragt mich, ob ich denke, es sei möglich, mit Norman noch ein Treffen für abends auszumachen. Ich versuche behutsam ihre Erwartungen dahingehend herunterzuschrauben. Sie hat sich jedoch fest vorgenommen, sich gleich an seinem Stand anzustellen, um etwas mit ihm zu singen.

Als ich eine halbe Stunde später mit Eintrittsbändchen in der Halle ankomme, sehe ich, dass sie dafür sicher einiges an Geduld aufbringen muss. Die Menge an Fans ist vor diesem Stand besonders groß. Es herrscht so etwas wie das geordnete Chaos. Von Norman sehe ich die meiste Zeit nur das Baseball Cap. Hin und wieder wirft er kleine Geschenke in die Menge.

Am Stand von Norman Reedus (Daryl), Walker Stalker Con Germany, Mannheim © Andrea David

Nicht weit davon entfernt plaudert Austin Amelio, der als Savior Dwight Bekanntheit erlangte, locker mit seinen Fans und Alanna „Tara“ Masterson macht jede Menge Quatsch und Selfie-Grimassen. Auf der gegenüberliegenden Seite legen sich Tom Payne (Jesus) und Khary Payton (Ezekiel) für ihre Anhänger ins Zeug, sprühen regelrecht vor Energie.

Am Stand von Austin Amelio (Dwight), Walker Stalker Con Germany, Mannheim © Andrea David

Für Tom, der übrigens auch der Hauptdarsteller in „Der Medicus“ war, habe ich ein kleines Geschenk dabei, weshalb ich mich dort am Stand anstelle. Es ist ein Fotoausdruck, worauf eine „Medicus“-Filmszene am Drehort, der Burg Querfurt, zu sehen ist. Wer kein Autogramm oder Selfie mit dem Star haben möchte - und dafür heute mindestens € 40 bezahlt - muss zwar etwas länger warten, hat dafür aber eben auch die Möglichkeit sich kurz zu unterhalten.

Szenenfoto aus „Der Medicus”, Filmburg Querfurt © Andrea David / Universal Pictures Germany

Als ich nach zwanzig Minuten drankomme, gibt es eine Überraschung für mich: Tom kennt mein Foto bereits von meinem Instagram-Account (!) und erzählt, wie spannend es für ihn ist, den Drehort mal ohne das ganze Setdesign zu sehen. Nach einem knappen Gespräch über die „Walking Dead“-Drehorte in Georgia verlasse ich den Stand wieder. Es stehen immer noch Dutzende Leute an.

Am Stand von Tom Payne (Jesus), Walker Stalker Con Germany, Mannheim © Andrea David

Ich stöbere zwischenzeitlich durch die Fotostationen und Händlerstände und bin erstaunt, dass sich einige hier an Ort und Stelle sogar tätowieren lassen.

Fotostation, Walker Stalker Con Germany, Mannheim © Andrea David

Fotostation, Walker Stalker Con Germany, Mannheim © Andrea David

Händlerstand, Walker Stalker Con Germany, Mannheim © Andrea David

Händlerstand, Walker Stalker Con Germany, Mannheim © Andrea David

Wer ein professionelles Foto von sich und einem Star haben möchte, muss ein sogenanntes Photo-Op-Ticket erwerben. Die Preise hierfür bewegen sich je nach Schauspieler von € 80 bis € 130. Die langen Schlangen im Photo-Op-Bereich nebeneinander sehen nach Massenabfertigung an der Passkontrolle aus, aber alle die hier stehen, haben sich das richtig was kosten lassen.

Warteschlange für die Photo Ops, Walker Stalker Con Germany, Mannheim © Andrea David

Ich warte in der Schlange für Tom Payne, im Gegensatz zu anderen ohne ein spezielles Accessoire wie der berüchtigten Lucille, dem mit Stacheldraht umwickelten Baseballschläger von Negan, oder Zombie-Look. „Next! Next! Next!“, klingt es aus der Fotokabine am Ende der Halle. Die enge Taktung erlaubt keinerlei Zeit für eine Unterhaltung. Als ich endlich mein Foto mit „Jesus“ in der Hand halte, wird mir klar: Das waren eindeutig die teuersten fünf Sekunden des Tages! Dennoch ein schönes Souvenir, das bleibt.

Photo Op mit Tom Payne, Walker Stalker Con Germany, Mannheim © Andrea David

Neben den Meet & Greets und Fotomöglichkeiten mit den Stars, sind die Panels auf der Bühne das Highlight der Convention. Die Schauspieler geben hier viele Anekdoten zur Produktion preis und können zudem direkt von den Fans befragt werden. Jeffrey Dean Morgan, in der Rolle des Oberfieslings Negan zu sehen, berichtet beispielsweise das Andrew Lincoln, der seinen Widersacher Rick spielt, im beim Dreh unbeabsichtigt die Nase gebrochen hat. Auf die Frage wer seine Lieblingsfigur in der Serie ist, schaut er freundlich zu Norman hinüber und sagt „Daryl“. Da Daryl von Negan in „The Walking Dead“ alles andere als gut behandelt wird, gibt es Gelächter im Publikum. Norman selbst würde sich für Daryl endlich eine vernünftige Beziehungsgeschichte in der nächsten Staffel wünschen.

Panel mit Jeffrey Dean Morgan (Negan) und Norman Reedus (Daryl), Walker Stalker Con Germany, Mannheim © Andrea David

» Achtung Spoiler! «

„I cried for a week when you died“, sagt ein junger Fan ins Mikrofon als die „The Walking Dead“-Darsteller Sarah Wayne Callies und Chandler Riggs auf der Bühne sitzen und das Publikum die Möglichkeit hat, sich den Stars mitzuteilen oder neben den Moderatoren eigene Fragen zu stellen. Chandler, der in der Serie den kürzlich verstorbenen Carl spielte und an den der Satz gerichtet war, schaut etwas verunsichert drein, weshalb Sarah, seine Serienmutter Lori, die schon vor längerer Zeit einen dramatischen Serientod in „The Walking Dead“ erlitt, für ihn antwortet: „Jedes Jahr melden sich tausend Menschen bei mir, die mir schreiben, dass sie so sehr bedauern, dass ich tot bin. Das ist total verrückt und kann dir wirklich nur als Schauspieler passieren!“

Panel mit Sarah Wayne Callies (Lori) und Chandler Riggs (Carl), Walker Stalker Con Germany, Mannheim © Andrea David

Chandler selbst sagt schließlich, er sei froh, sich nach der Serie endlich wieder anderen Rollen, aber auch der Schule und seiner Musik widmen zu können. Eine weitere Fan-Frage „Warum antwortest du mir nicht auf Instagram?“ macht ihn verlegen. Die Antwort darauf, welche Figur seiner Meinung nach auf jeden Fall überleben wird, fällt ihm da deutlich leichter: „Judith!“ Interessant finde ich, dass Sarah (Lori) die Serie selbst schon seit sechs Jahren nicht mehr schaut. Sie versteht sich jedoch prächtig mit allen Schauspielern, auch denen die erst viel später in der Serie dazu stießen, wie beispielsweise mit Pollyanna McIntosh, die ab Staffel sieben als Jadis zu sehen ist.

Überhaupt ist die Stimmung auf der Convention sehr familiär, nicht nur bei den Stars untereinander, sondern auch unter den Fans, den Helfern und zwischen Stars, Helfern und Fans. Es gilt:

It‘s not only fandom, it’s family!

 

Linktipp: Offizielle Seite der Walker Stalker Germany

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