Bully war schon da, Kirk Douglas auch, Ottfried Fischer sowieso. Denn als Film- und Fernsehland sind die Voralpen zwischen Wolfratshausen und Walchensee schon seit Jahrzehnten beliebt. Bis mir das dämmerte, musste ich erst jahrelang in München wohnen. Damit Du wesentlich schneller davon erfährst, habe ich hier einige Informationen zu den im Tölzer Land entstandenen Filmen und Serien sowie speziellen Führungen und Ausstellungen für Filmtouristen zusammengetragen. Los geht’s:

Bad Tölz © Sabine Weinhardt

Bad Tölz © Sabine Weinhardt

Bei Bad Tölz denkt man natürlich als erstes an Kult-Kommissar Benno Berghammer. Und dort, wo von 1996 bis 2009 Ottfried Fischer als „Der Bulle von Tölz“ ermittelte, können Besucher immer noch auf Filmspuren wandeln und während der zweistündigen Spezialführung die Originalschauplätze und Drehorte der beliebten Serie besichtigen. 2013 erhielt Fischer den Ehrenpreis der Stadt und der Max-Höfler-Platz einen Bullen-Brunnen. Im Herbst 2014 eröffnete am Kapellengasteig sogar ein Bulle-von-Tölz-Museum mit vielen Erinnerungsstücken der Serie und Infos über die Drehorte. Wer will, kann hier auch am Schreibtisch des Hauptkommissars Platz nehmen.

Bullen-Brunnen am Max-Höfler-Platz, Bad Tölz © Archiv Tourist-Information Bad Tölz

Bullen-Brunnen am Max-Höfler-Platz, Bad Tölz © Archiv Tourist-Information Bad Tölz

Dabei ist Ottfried Fischer beileibe nicht der erste und einzige Fernsehkommissar, der im Tölzer Land den Kampf gegen das Verbrechen aufgenommen hat. 1976 ermittelte schon Oberinspektor Stephan Derrick alias Horst Tappert in Geretsried im Drama um Familie Schirmer, eine Unterschlagung und den Angriff auf einen Nachtwächter. „Kein schöner Sonntag” hieß diese Folge und auch ein Vierteljahrhundert später ist es vor der Voralpenkulisse – zumindest im Film –noch immer nicht sicherer geworden. So hatten die Kripo-Beamten Uli Steiger und Lars Reiter im „Polizeiruf 110“ im Jahr 2009 in Sachsenkam den Tod einer jungen Soldatin zu klären. Gedreht wurde die BR-Produktion unter dem treffenden Titel „Zapfenstreich“. Und auch die „Rosenheim Cops” gingen schon in Geretsried und Sachsenkam auf Spurensuche.

Der Kirchsee bei Sachsenkam, Tölzer Land © Archiv Tölzer Land Tourismus

Der Kirchsee bei Sachsenkam, Tölzer Land © Archiv Tölzer Land Tourismus

Seit 2012 gehen Christian Tramitz und Helmfried von Lüttichau in „Hubert & Staller” als „mittelhelle Dorfpolizisten“ in Wolfratshausen auf Verbrecherjagd. Es gibt sogar eine ausgewiesene Fahrradtour, die zu den bekannten Drehorten der Krimi-Serie führt. Über rund 31 Kilometer und 300 Höhenmeter leitet die einfache Strecke an insgesamt acht öffentlich zugängliche Originalschauplätzen, darunter zum Beispiel auch die Bäckerei Graf in Münsing. Der zugehörige Flyer bündelt Informationen zu Streckenverlauf, Schauplätzen und Hintergründen und ist im Internet oder bei der Tourist-Info Wolfratshausen sowie den Gemeinden Eurasburg und Münsing erhältlich. An speziellen Terminen ist für Fans nach vorheriger Anmeldung eine Studiotour zur Vorabendserie möglich.

Bäckerei Graf in Münsing © Stadt Wolfratshausen

Bäckerei Graf in Münsing © Stadt Wolfratshausen

Doch nicht nur das kriminelle TV-Milieu fühlt sich zwischen Loisachtal und Isarwinkel wohl. Seit über 50 Jahren fallen immer wieder nordische Horden in die Region ein. Mit ihren typischen Hörnerhelmen raubten und brandschatzten die ersten Kinowikinger 1958 rund um den Walchensee unter ihrem Anführer Kirk Douglas in „Die Wikinger”. Ein Jahr später versammelte Christopher Lee in „Tales of the Vikings“ seine bärbeißigen Mannen um sich. Auch sie segelten im Walchensee an schroffen Klippen vorbei, die in manchem Fjordländer Heimatgefühle wecken könnten.

"Wickie"-Drehort, Walchsensee, Bayern © Bap Koller

„Wickie”-Drehort, Walchsensee, Bayern © Bap Koller

Davon war auch Michael „Bully” Herbig für seine Wickie-Filme überzeugt: „Das ist hier der Hammer. Es sieht wirklich aus, wie an einem norwegischen Fjord und der See hat eine Mischung aus Karibik- und Eiswasser. Wir hätten in ganz Skandinavien nichts Besseres finden können.“ Sein Film „Wickie und die starken Männer“ aus dem Jahr 2008 wurde zum Kinoerfolg des Jahres. Dieser Popularität verdankt Walchensee eine neue Touristenattraktion: das Wikingerdorf „Flake”, das aus insgesamt sechs erhaltenen Filmhütten besteht.

Wikingerdorf "Flake" © Tourist-Information Walchensee

Wikingerdorf „Flake” © Tourist-Information Walchensee

Lediglich 2010 war das Dorf für Besucher tabu: In dieser Zeit drehte Herbig die Fortsetzung „Wickie auf großer Fahrt“ im „stillen Winkel” bei Sachenbach und in Jachenau. Nach dem Dreh zog „Flake” wieder zurück nach Walchensee, zwischen die Badewiese beim Café Bucherer und dem Wasserwachtgelände. Dort können kleine und große Wickie-Anhänger das Filmkulissendorf sowie eine historische Wikingerausstellung von März bis November kostenlos besichtigen. Ein besonderes Highlight ist der Wikingermarkt, der alljährlich im Herbst stattfindet, das nächste Mal am 2. und 3. September 2017.

Walchensee, Tölzer Land © Andrea David

Walchensee, Tölzer Land © Andrea David

Der Walchensee sowie der Sylvensteinspeicher kamen auch 2012 in „Jesus liebt mich” auf der Kinoleinwand zu Filmehren. Darin rettete Florian David Fitz als Jeshua aus Galiläa die verliebte Marie (Jessica Schwarz) aus dem Wasser. Für den Film „Sommer in Orange” (2011) von Regisseur Marcus H. Rosenmüller wurden einige Szenen am benachbarten Kochelsee gedreht. Lenggries diente 2011 als verschneite finnische Bergkulisse für den Thriller „Wer ist Hanna?” mit Saoirse Ronan. Franzi (Brigitte Hobmeier) backt ihre Stollen für den Großkunden aus Dubai in „Was machen Frauen morgens um halb vier?” (2012) in Wahrheit in Bad Tölz.

Sylvensteinspeicher, Tözer Land © Archiv Tölzer Land Tourismus

Sylvensteinspeicher, Tözer Land © Archiv Tölzer Land Tourismus

Jachenau und Lenggries bildeten 2008 die Kulisse für einen klassischen Stoff bayerischer Volksgeschichte: Joseph Vilsmaier setzte hier „Die Geschichte vom Brandner Kaspar“ in Szene. Die klamaukige Komödie um den Brandner Kaspar, der dem Tod (gespielt von Michael „Bully” Herbig) ein Schnippchen schlägt, zog viel von ihrem Charme aus der Voralpenlandschaft und den urigen Charakteren, die fest in ihrer Heimat verwurzelt und immer für einen Spaß zu haben sind. Als Kulisse für das Haus des Brandner Kaspars dienten die Scharnitzalmen an der Benediktenwand. Die Dorfszenen entstanden im Freilichtmuseum Glentleiten.

Lenggries, Tölzer Land

Lenggries, Tölzer Land

Die Liste der Drehorte ließe sich noch ewig fortführen und ich bin schon sehr gespannt, in welchen neuen Geschichten das Tölzer Land bald wieder auf Bildschirm und Leinwand zu sehen sein wird. Welches bisher unscheinbare Gebäude dann plötzlich zum gefährlichen Tatort wird, welche bayerische Figur zum Leben erweckt wird oder welcher berühmte Star über einen der filmreifen Seen segelt.

 

7 Responses

  1. Götz A. Primke

    Servus Andrea, wurde denn keine Szene von „Wer früher stirbt ist länger tot” in dieser Ecke gedreht? Ich weiss von Ruhpolding (Kirche) und das Gasthaus ist südlich von München… Aber ich hätte gedacht, dass auch im Tölzer Land etwas gedreht worden wäre.

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  2. Ulla

    .. ganz neu sind wir in Bad Tölz jetzt mit „Tonio und Julia” wieder als Drehort aufgetaucht. Es wurden einige Szenen hier im Mühlfeld von Bad Tölz gedreht.

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