„Stop! We are filming here!”, heißt es plötzlich, als ich auf dem Weg zum Marine Building bin. Während ich verdutzt stehen bleibe, scheint es sonst keinen zu kümmern, was hier gerade gedreht wird. Die Leute nehmen einfach den nächsten Block, um ans Ziel zu kommen. Doch ich starre immer noch fasziniert auf das Filmtreiben, höre eine Kameradrohne lärmen, sehe einige Komparsen aus ihren Verstecken kommen und kurz darauf eine Autokolonne mit zwei Polizeimotorrädern vorneweg um die Ecke biegen. Alle mit Kennzeichen Washington D.C…

Dreharbeiten in Vancouver © Andrea David

Wie sollte es auch anders sein in Vancouver? Die Stadt hat sich im Laufe der letzten Jahre ihren Ruf als Hollywood North aufgebaut, ist beliebtes Stand-in für eine ganze Reihe von US-Städten und drittgrößtes Zentrum der Filmindustrie in Nordamerika. Da verwundert es nicht, dass die meisten Leute hier äußerst entspannt mit den Dreharbeiten umgehen.

Marine Building, Vancouver © Andrea David

Bekannte Drehorte gibt es fast an jeder Ecke zu erkunden, deshalb nehme ich Dich hier mal mit auf Tour, um einen cineastischen Blick auf die Stadt zu werfen. Da Vancouver kaum in seine eigene Rolle schlüpft, dürften hier und da auch ein paar Überraschungen - selbst für langjährige Vancouver-Kenner - dabei sein:

Bereits bei der Ankunft am Vancouver International Airport treffe ich auf den ersten wandlungsfähigen Darsteller, denn der Flughafen war im Horrorklassiker „Final Destination” als New Yorker John F. Kennedy Airport zu sehen. Am Gate 46 sieht Alex (Devon Sawa) die gerade gestartete Maschine in die Luft fliegen, wie er es bereits vorhergesehen hatte. Seit 2000 hat sich der Flughafen stark verändert, doch die beigen Wandpaneele scheinen tatsächlich immer noch die gleichen zu sein.

„Final Destination” Drehort Vancouver International Airport © Andrea David / Studiocanal

Das filmbekannteste Hotel der Stadt ist mit Abstand das Fairmont Hotel in der West Georgia Street sein. Besonders die Anhänger von „Fifty Shades of Grey” haben hier vermutlich ein Déjà-vu-Erlebnis und erkennen es als Heathman Hotel in Portland. Denn sowohl für den ersten Film als auch für die Fortsetzung entstanden viele Innenaufnahmen in dem Hotel, das auch bei vielen Celebrities beliebt ist. Im British Ballroom im 2.Stock fand beispielsweise das Fotoshooting statt. Christian (Jamie Dornan) und Ana (Dakota Johnson) küssen sich zum ersten Mal im Fahrstuhl mit der Nummer 3. In der Lieutnant Governor Suite im 14. Stock wurde der Salon als Greys Schlafzimmer umgebaut.

Fairmont Hotel Vancouver © Andrea David

„Fifty Shades of Grey” Drehort Lieutnant Governor Suite, Fairmont Hotel Vancouver © Andrea David

Für „Fifty Shades Darker” verwandelte man den Saal „The Roof” in ein Restaurant mit Bar, das im Film die Rolle des elitären The Mile High Club übernimmt. Wer möchte kann den Raum im 15. Stock für Hochzeiten und Events anmieten. Übrigens bietet das Hotel für Filmfans ein Mr. Grey Package mit Übernachtung in der Lieutnant Governor Suite und Luxusfrühstück an. Etwas weniger kostspielig und auch für Nicht-Hotelgäste zu empfehlen ist ein Abendessen im dazugehörigen Notch8 Restaurant. Mein persönlicher Tipp: Das Prime Rib-Steak ist einfach sündhaft gut!

„Fifty Shades of Grey” Drehort The Roof, Fairmont Hotel Vancouver © Andrea David / Universal Pictures

Prime Rib im Notch8 Restaurant, Fairmont Hotel Vancouver © Andrea David

Noch ein paar Mal läuft mir „Mr. Grey” bei meiner Filmspurensuche in Vancouver über den Weg. Das Bürogebäude Bentall 5 in Downtown kam als „Grey House” - und auch in Szenen von „Fantastic Four” und „Das gibt Ärger” - zu Filmehren. Die Ecke, an der Anastasia fast in ein Fahrrad läuft, und auch das Water St. Café aus „Fifty Shades Darker” befinden sich im historischen und trendigen Gastown-Viertel. Egal, ob man die Fifty-Shades-Filme hasst oder liebt, eins steht fest: Vancouver überzeugt darin in seiner Rolle als Seattle.

„Grey House”, Bentall 5, Vancouver © Andrea David / Universal Pictures

„Fifty Shades of Grey” Drehort Maple Square, Gastown, Vancouver © Andrea David / Universal Pictures

In Gastown, der Altstadt von Vancouver, lohnt es sich einen längeren Bummel einzuplanen. Kleine Geschäfte, alte Bürgerhäuser und nette Restaurants reihen sich hier aneinander. Mittendrin steht eine historische Dampfuhr, die im Viertelstundentakt die Westminster-Melodie pfeift. Weitere kleine Filmnotiz: Das Viertel diente in der Romanze „Legenden der Leidenschaft” als Außenkulisse für die Stadt Helena in Montana und ist - zu meiner großen Überraschung - auch in vielen Szenen von Wolfgang Petersens „Unendliche Geschichte” zu sehen.

Die berühmte Dampfuhr in Gastown, Vancouver © Andrea David

„Die Unendliche Geschichte” Drehort Victory Square, Gastown, Vancouver © Andrea David

Von Gastown mache ich einen Abstecher zum Georgia Street Viaduct. Für die Dreharbeiten von „Deadpool” hat man die Brücke zwei Wochen lang jeden Vormittag gesperrt, um dort eine Szene mit riesigem Verkehrschaos und die Begegnung mit den X-Men zu filmen. Mit der Sperrung dieser zentralen Überführung dürfte „Deadpool” auch in Realität ein Verkehrschaos - leider ohne Superhelden - verursacht haben.

Der Film spielt zwar in einer namenlosen Stadt, jedoch nimmt Vancouver eindeutig den größten Anteil an der Filmkulisse ein. Zu den weiteren Deadpool-Drehorten gehören Chinatown, die Arch Alley, der Leeside Tunnel Skatepark, die Patullo Bridge und das Cobalt Hotel. Ach so, und Ryan Reynolds, der für den Film in die Rolle von Wade Wilson schlüpft, stammt natürlich auch aus Vancouver.

Fußweg auf dem Georgia Street Viaduct, Vancouver © Andrea David

„Deadpool” Drehort, Georgia Street Viaduct, Vancouver © Andrea David / Fox

Noch ein Tipp zwischendurch für müde gelaufenen Füße: Da ich neben Vancouver nur noch einen Abstecher in die „Rambo”-Stadt Hope und Vancouver Island auf dem Programm habe, nutze ich zurück am Canada Place die Chance, noch etwas mehr Eindrücke von Kanada zu bekommen. Bei einem virtuellen Flug! Im FlyOver Canada fliegt man mit den Füßen in der Luft sowie Wind im Gesicht und verschiedene Gerüchen in der Nase über Bergipfel, Seen, Wiesen und wilde Cowboyherden. Für den realen Effekt sorgt vor allem der 20 Meter breite sphärische Bildschirm. Der eigentliche Flug dauert zwar nur 8 Minuten, aber als ich wieder herauskomme, fühle ich mich richtig berauscht.

Eingang zu FlyOver Canada, Canada Place, Vancouver © Andrea David

Mit diesem Elan gehe ich weiter zum Vancouver Lookout, um die Filmstadt rundum und vor allem von oben zu sehen. Drei Blocks weiter die West Hastings Street runter (Ecke Hornby Street) komme ich an dem Gebäude vorbei, auf dem in „Prevolution” die Affen rumturnen. In „Planet der Affen” spielt die Szene in San Francisco.

Vancouver Lookout, Vancouver © Andrea David

„Planet der Affen: Prevolution” Drehort Hornby Street, Vancouver © Andrea David / Fox

Ich habe großes Glück gleich schräg gegenüber einen kurzen Blick in den Vancouver Club werfen zu dürfen, der sonst nur Mitgliedern vorbehalten ist. Denn hier entstanden ein paar Szenen für die Science-Fiction-Serie „The 100”, die ich sehr gerne schaue.

Vancouver Club © Andrea David

„The 100” Drehort Vancouver Club © Andrea David / CW

Für „The 100”-Kenner: An vielen weiteren Plätzen der Stand, wie dem Oceanic Plaza, dem Guiness Tower, den Seawall Stairs und dem Canada Place entstanden die Aufnahmen, welche in Staffel 3 von „The 100” schließlich als Stadt des Lichts auf dem Bildschirm zu sehen ist. In einer Szene sieht man übrigens Jasper (Devon Bostick) mit einem großen Eis auf einer Bank sitzen. Und tatsächlich ist gleich dahinter ein Eisladen, die preisgekrönte Bella Gelateria in der West Cordova Street. Sehr zu empfehlen!

„The 100” Drehort Oceanic Plaza, Vancouver © Andrea David

„The 100” Drehort bei Bella Gelateria, Vancouver © Andrea David

Gleich um die Ecke befindet sich das Vancouver Convention Center, das als Drehort für „Godzilla”, „Das A-Team”, „Fringe” und viele weitere Produktionen diente. In der Superhelden-Serie „Arrow” sieht man beispielsweise die riesige leuchtende Weltkugel, die im frei zugänglichen Eingangsbereich hängt. Für „Mission Impossible - Phantom Protokoll” wurde das Kongresszentrum kurzerhand in einen indischen Schauplatz verwandelt.

Vancouver Convention Center © Andrea David

„Arrow” Drehort Vancouver Convention Center © Andrea David

Dass Vancouver auch problemlos Rollen für exotischere Schauplätze übernehmen kann, wurde auch mit einem Film bewiesen, der zeitweise für große politische Aufregung sorgte: Die Nordkorea-Satire „The Interview” mit James Franco und Seth Rogen, ebenfalls ein Kind der Stadt. Denn überraschenderweise entstanden hier nicht nur die Szenen, die in der Handlung in New York angesiedelt sind, sondern auch jene, die in China und Nordkorea spielen. So wurden beispielsweise die grauen Betontreppen am Robson Square per Green Screen vor den Präsidentenpalast von Kim Jong-un gesetzt. Ob Architekt Arthur Erickson das als Kompliment aufgefasst hat, ist allerdings fraglich…

„The Interview” Drehort Homer Street, Vancouver © Andrea David / Sony Pictures

Robson Square, Vancouver © Andrea David

„The Interview” Drehort Robson Square, Vancouver © Andrea David / Sony Pictures

Am Robson Square befindet sich neben dem Gericht und anderen Regierungsgebäuden auch die Vancouver Art Gallery, die einen Besuch lohnt. In „The Interview” ist sie als New York Public Library zu sehen. Filmische Auftritte hatte sie jedoch auch im Science-Fiction-Film „The Core - Der innere Kern” und der Biografie „Big Eyes” von Tim Burton, in der es um die berühmten Bilder der Künstlerin Margaret Keane (Amy Adams) geht, die lange als Werke ihres Mannes Walter (Christoph Waltz) ausgegeben wurden.

„Big Eyes” Drehort Vancouver Art Gallery, Robson Square, Vancouver © Andrea David

Ein toller Spot in Vancouver ist Granville Island mit dem Public Market im Süden der Stadt. In den Markthallen kann man sich mit Köstlichkeiten aus aller Welt stärken und anschließend entweder entlang der Waterfront oder durch die unzähligen Ateliers und Boutiquen spazieren. Und auch hier wurde natürlich schon gedreht: In der Schlussszene „Mission Impossible - Phantom Protokoll” beobachtet Ethan Hunt (Tom Cruise) auf dem Markt von Weitem seine Frau, um zu sehen, ob es ihr gut geht. Schon mal in der Nähe mache ich noch einen kleinen Abstecher zum H. R. MacMillan Space Center, das in „A World Beyond” in die Rolle der fiktiven „Hall of Invention” schlüpft.

„Mission Impossible” Drehort Granville Island, Vancouver © Andrea David

H.R. MacMillan Space Center, Vancouver © Andrea David

„A World Beyond” Drehort H.R. MacMillan Space Center, Vancouver © Andrea David / Disney

Das Besondere an Vancouver, nicht nur für Filmteams: Die Stadt liegt nicht nur am Meer, sondern auch am Fuße der North Shore Mountains. Ruckzuck ist man daher mitten in der Bergwelt. Mit dem Wasserflugzeug, der Seilbahn von North Vancouver aus oder etwas weiter entfernt mit der „Sea to Sky”-Gondel, die zwei Kilometer südlich von Squamish startet, geht es auf über 1.000 Metern Höhe.

Die North Shore Mountains bei Vancouver © Andrea David

Nachdem ich morgens also noch die Stadt erkundet habe, fahre ich von North Vancouver auf den Grouse Mountain und drehe dort eine Runde mit dem Pistenbully. Nachmittags genieße ich noch etwas den Blick auf Vancouver und den Pazifik von oben, zum Sonnenuntergang bin ich längst wieder unten am Strand. Filmreife Vorstellung!

Blick vom Grouse Mountain auf Vancouver © Andrea David

Ach ja, warum ich übrigens beim Marine Building vorbeischauen wollte: In „Superman” arbeitet Clark Kent (Henry Cavill) hier bei der Tageszeitung „Daily Planet”. Doch die Straße ist immer noch vom Filmteam eingenommen.

Gestern Metropolis, heute Washington D.C… eben Alltag in Vancouver.

 

Weitere Tipps für Filmfans in Vancouver:

 

Wer in Vancouver gerne auf filmischen Spuren durch die Stadt geführt werden möchte, sollte eine Tour mit Arthur Sacramento buchen. Auf seinen „Fans of Vancouver”-Touren gibt er unzählige Hinweise auf bekannte und weniger bekannte Drehorte. Besonders die Fans von Serien wie „Supernatural”, „The Flash” oder „iZombie” kommen hier voll auf ihre Kosten. Da Arthur selbst oft als Statist in Filmen und Serien mitgewirkt hat, kennt er viele Anekdoten rund um die Drehs und weiß vor allem stets, was wo gerade in der Stadt gedreht wird: Fans of Vancouver

 

Auch in der Umgebung von Vancouver gibt es viele weitere Filmschauplätze zu erkunden. Das über 100 Jahre alte, verlassene Riverview Hospital östlich der Stadt ist sogar die meistgenutzte Filmlocation Kanadas! Nördlich von Vanvouver befindet sich der Capilano Suspension Bridge Park, in dem einst „Rambo” vor dem Sheriff floh. Für Rambo-Fans lohnt sich auch eine Fahrt Richtung Osten nach Hope B.C., der Geburtsstadt von Rambo, die dieses Jahr das 35-jährige Jubiläum des Filmes feiert.

 

Durch die häufigen Dreharbeiten tummeln sich in Vancouver viele Stars. Hier gehen sie gerne essen:
Cincin (Justin Timberlake, Naomi Watts und Ben Affleck)
Minami (George Clooney)
Blue Water Café (Uma Thurman, Jamie Lee Curtis, Catherine Zeta Jones, Pierce Brosnan)
Bao Bei Chinese Brasserie (Blake Lively, Ryan Reynolds)

Hoteltipp:
Fairmont Hotel Vancouver 

Linktipps:
Gastown Vanouver
FlyOver Canada
Vancouver Art Gallery
Granville Island
H. R. MacMillan Space Center

Offenlegung: Meine Recherchereise nach Vancouver wurde unterstützt von Destination British Columbia.

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